God and a Girl

She went to the window because she had the feeling something significant was happening outside.

On the cobbles below her stood god.

„Oh God,“ she said,“it’s you.“

God chuckled

„I knew you were a woman“, she said.

„Yeah,“ God answered,“I know.“

„Wow,“ she said,“you look a lot like my mum.

„I get that very often“, God replied.

She took a deep breath.

„Why didn’t you make me better?“ she asked.

„Who says I made you anything?“ God wanted to know.

„Everyone“, she said.

„Was it really you? Did you make everything?“ she asked.

„Me? I did nothing. I am just sparks in your brain,“ God answered,“it is you, who does everything and anything. You made me.“

Linienfahrt (Ausgegraben vom August 2015)

Durch die regennassen Fensterscheiben des Linienbusses sehe ich sie schon von weitem. Es sind mindestens 20, vielleicht 30 Menschen, die sich da vorne um den Haltestellen-Unterstand drängen. Es ist Sonntag Mittag und sie sehen entspannt und gut gelaunt aus in ihrer tadellosen Kleidung, so als wären sie auf einem gemeinsamen Ausflug. Eines der Kinder trägt einen knallroten Regenschirm mit weißen Punkten, über den Kinderwagen ist ein Plastik-Regenschutz gespannt. Die Frauen tragen lockere Kopftücher, am Hals eines jungen Mannes baumelt ein hölzernes Kreuz. Wenn sie Kameras bei sich hätten, wenn ich nicht wüsste, dass ganz in der Nähe die sogenannte „GU“ ist, die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber, man könnte fast meinen, sie seien eine Gruppe von Touristen.

Unsere GU ist berühmt berüchtigt. Vor wenigen Jahren hat sich dort ein junger Mann erhängt. Er hat seine Situation nicht mehr ertragen. Sein Asylverfahren hatte sich über Jahre hingezogen. So lange konnte er in Deutschland keine Arbeit aufnehmen, durfte den Regierungsbezirk nicht verlassen und musste sich ein Zimmer mit vier weiteren Menschen teilen, die er sich nicht hatte aussuchen dürfen.

Ich freue mich diese Menschen zu sehen. Ich weiß, wie viele Asylbewerber in diesem Jahr nach Deutschland kommen. Erst vor zwei Tagen habe ich gelesen, dass in einem Stadtteil unseres Ortes jetzt ein Zeltlager errichtet wird. Ich selbst arbeite in einer Sprachschule, die davon lebt Menschen die Deutsch beizubringen. Es gibt auch ein paar Geflüchtete bei uns, doch von dem großen Ansturm habe ich bisher nur gelesen.

Der Bus hält und als erstes steigt eine Frau ein. „Pah sagt sie,“ mit wütendem Gesicht, „da muss man sich ja schämen, mit so einem Pack in einen Bus einzusteigen.“

Ich spüre, wie mir heiß und kalt zugleich wird. „Ja,“ stimme ich der Frau zu, die hastig in den hinteren Teil des Busses eilt, „man muss sich schämen, mit jemandem im Bus zu sitzen, der sich so äußert.“ Ich weiß nicht, ob sie mich verstanden hat, sie antwortet nicht. Von den anderen Fahrgästen höre ich zustimmende Laute, ich weiß aber nicht, wem sie zugestimmt haben. Mir, möchte ich glauben. Muss ich glauben. Ich denke nicht, dass ich genug gesagt habe, aber ich bringe es nicht über mich, nach hinten zu gehen, um mit dieser Person zu sprechen. Ich bin fassungslos! Seit wann haben Menschen in diesem Land das Gefühl, sie würden Zustimmung erhalten, wenn sie so etwas von sich geben?

In der Zwischenzeit steigen die Menschen, von denen ich glaube sie kommen aus Eritrea, ein. Die Kinder sind fröhlich und sprechen laut mit ihren Müttern und untereinander. Ihre Sprache ist Deutsch. Anscheinend keine Neuankömmlinge. Neben mich setzt sich das Mädchen mit dem gepunkteten Schirm. Ihr Vater nimmt uns beiden gegenüber im Vierersitz Platz. Das kleine Mädchen legt sich den Schirm in dem Versuch ihn zusammenzufalten auf den Schoß und Wasser tropft auf ihre Hose. Ich möchte nicht nass werden und setze gerade dazu an der Kleinen zu sagen, dass sie bitte den Schirm vom Sitz nehmen soll, da beugt sich der Vater vor und sagt etwas in einer fremden Sprache zu ihr. Sie grinst mich an und nimmt den Schirm herunter. Schmunzelnd bedanke ich mich bei beiden.

Am Bahnhof steigen alle aus. Die große Gruppe zerstreut sich in kleinere Grüppchen. Inzwischen habe ich meinen Schock so weit überwunden, bin aber immer noch so wütend, dass ich gerne doch das Gespräch mit der Frau suchen will. Leider sehe ich ihren roten Haarschopf nirgendwo. Wahrscheinlich ist sie schon früher ausgestiegen. Ich würde gerne glauben, dass ein Gespräch irgendetwas geändert hätte. Aber nein, ich glaube nicht daran. Was bringt einen Menschen dazu, sich so hasserfüllt gegenüber einer ganzen Gruppen Menschen zu äußern, die auf keine Weise unangenehm oder bedrohlich auftreten? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich ist es Angst. Angst, dass diese Menschen, die mit nichts als einem Smartphone und ihrem Leben in dieses Land kommen, etwas abhaben möchten, von unserem Wohlstand. Ein Wohlstand, von dem wir inzwischen ahnen, dass wir ihn nur auf Kosten der Schwächeren erlangen und erhalten konnten.

Eine Entschuldigung für diesen Mangel an Empathie und Schamgefühl ist das aber nicht.

Sonntagsfrage Nr. 10

Ich weiß du hast viel zu tun, deshalb versuche ich eine Frage zu stellen, die du ganz schnell beantworten kannst.

Erinnerst du dich an das letzte Mal, als du dieses Gefühl hattest: Leuchten und Musik

Wann war es und erinnerst du dich noch, was du gehört hast?

*Tempest und ich haben uns überlegt, uns eine Art regelmäßiges Stöckchen zuzuwerfen. Jeden Sonntag stellen wir uns gegenseitig eine Frage als Blogimpuls, deren Beantwortung aber auch gerne kurz und knackig ausfallen darf.

Mitleser:innen sind herzlich eingeladen die Sonntagsfrage(n) ebenfalls zu beantworten. Entweder in den Kommentaren oder auf ihren eigenen Blogs. Dann würden wir uns sehr über eine Verlinkung freuen.