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Innocence / / Unschuld

Februar 10, 2016

I stopped thinking about him weeks ago

Schon vor Wochen hab ich aufgehört an ihn zu denken

Until recently

bis ich vor Kurzem

I recovered the issue of us.

diese Sache mit uns wiederentdeckt habe.

What, I thought, if I still miss him?

Was, dachte ich, wenn ich ihn immer noch vermisse?

It has always been easier

Es war schon immer einfacher

 to hold on to us,

 an uns festzuhalten,

than to let him go.

als ihn lozulassen.

I keep forgetting who I was with him

Ich vergesse immer wieder, wer ich mit ihm war

and I can’t seem to recall who I have been before.

und mir fällt nicht mehr ein, wer ich vorher gewesen bin.

Still I remember everything in burning clarity.

Und doch erinnere ich mich an alles in brennender Klarheit.

I keep reminding myself that it was worth it all

Ich sage mir immer wieder, dass es das alles wert war.

Then I wake up in the middle of the night

Dann wache ich mitten in der Nacht auf

sticky with panic

klebrig vor Panik

and I know what we have lost

und weiß, was wir alles verloren haben

above all the time we faught in vain.

zusätzlich zu all der Zeit, in der wir vergebens gekämpft haben.

This thing with us,

Diese Sache mit uns,

I recently recovered,

ist mir kürzlich wieder eingefallen,

was once the best thing that ever happend to me.

war einmal das beste, was mir je passiert ist.

Das Mädchen und die Dunkelheit II

Januar 28, 2016

Mit scharfer Klinge schneidet der Wind in ihre Haut. Zwischen vorbeitreibenden Wolkenlandschaften blitzt hin und wieder der Vollmond auf, wie das Blinken eines fernen Leuchtturms. Die kalte Luft duftet nach Regen.

Hier kann sie atmen, ohne die lächelnde Maske vor dem Gesicht, frei vom Gestank der Anderen. Hier auf diesem Streifen Land, zwischen Fluss und See, hunderte Meter vom nächsten betonierten Kulturobjekt des menschlichen Fortschritts entfernt, atmet sie ein. Unter ihr atmet der See aus. In seinem Dunst steigt die Finsternis auf und kriecht unter ihre Haut.

Unter ihren Füßen regt sich etwas, unbemerkt. Erstarrt im Tod hat es vergessen, was es ist. Jetzt atmet es ein. Es kennt sich selbst nicht, weiß nicht wie man „Ich“ sagt. Ist nicht Geist, nicht Bewusstsein, ist nur ein Rest an Energie ohne Wissen von der eigenen Existenz, gefangen im Diesseits. Geräusch. Dissonanz.

Jetzt ist sie hier. Sie ist Leben, Wärme, Bewegung, Musik. Noch rührt sie sich nicht und doch schwingt die Welt um sie herum.

Es weiß nicht einmal, dass es ist. Angezogen wird es allein von dem Lebendigen, das sich in sein Land gewagt hat. Es spürt die Wellenbewegungen. Die Schwingungen der Anwesenheit eines denkenden Wesens.

Sie ist nicht besonders. Sie ist nicht schön. Sie ist nicht frei. Ihre Schritte sind unsicher und zögerlich. Als sie schließlich beginnt zu tanzen, tut sie es nur, um sich zu spüren.

Sie geht auf und ab und versucht ihre Bewegungen in Rhythmus ihrer  Gedanken zu bringen. Sie dreht sich, hebt die Hände zum Himmel. Ein Geräusch befreit sich unbemerkt aus ihrer Kehle, wird zu einem Summen.

Witternd nähert es sich dem Menschen, umkreist ihn, wird zum Klang, zur Resonanz, erwacht.  Es drückt sich an sie heran und pulsiert mit dem Schlagen ihres Herzens. Es umtanzt sie und wimmert wortlos als Antwort auf ihren Gesang.

Sie singt, um nicht zu schreien. Sie tanzt, um nicht davon zu rennen. Sie dreht und dreht sich, bis ihr schwindlig wird und ihr der Atem ausgeht.

Dann steht sie still. Das Herz trommelt in ihrer Brust. Sie lauscht in die rauschende Nacht. Und sie fühlt, dass sie nicht mehr alleine ist mit der Leere unter dem Himmel. Aus der Abwesenheit entsteht ein Schmerz, so umfassend, wie die Welt. Sie glaubt Stimmen im Wind zu hören, eine Melodie, die durch die Nacht klingt.

Langsam kommt sie zu Atem. Das Zittern ihrer Hände beruhigt sich und ihr Herz stolpert in einen neuen Takt.

Als der Wind sich legt, leuchtet die Nacht in einem veränderten Glanz. Über dem Wasser erzittert die Stille.

Als sie wieder beginnt zu tanzen, sind ihre Schritte sicherer, ihre Bewegungen schneller. Ihre Stimme schwingt sich nun endlich über die Gewässer. Sie dreht und dreht und dreht sich, bis sie das Gleichgewicht verliert und zu Boden fällt. Ein leichter Regen setzt ein und die kalten Tropfen fallen in ihre weit geöffneten Augen. Sie fühlt ihr Herz außerhalb ihres Brustkorbs in der Dunkelheit schlagen. In ihrem Inneren leuchtet die Sehnsucht wie eine Fackel.

Über ihr und um sie herum schwebt die Präsenz, die diesen Ort bewohnt. Sie trinkt sich satt an den Gefühlen dieses Menschen. Die wütende Melancholie, die nagende Angst, der Schmerz dieser Welt, sie kochen nun in dem Ding, das versucht, sich selbst zu erkennen. Es brennt mit der Energie des Menschen, aber es kann nichts verstehen.

Sie geht und es fühlt ihr nach. Es bleibt zurück, gefesselt an eine Existenz die keine ist. Nicht wissend, ob es vor dieser Nacht überhaupt existiert hatte. Ohne Erinnerung, daran, dass es je ein Leben gehabt hätte. Gedanken können sich hier nicht formen. Alles, was es kann, ist warten.

Ohne es auch nur zu ahnen hat das Mädchen es gebunden mit seiner eigenen Sehnsucht und den  ungezügelten Emotionen. Es weiß nicht. Nicht woher es kam. Wohin es ging, oder ob es einst ein Ziel gab. Vielleicht wurde es eben erst geboren. Und nun war sie gegangen und es war nichts mehr.

Mit nackter Seele, schutzlos und roh, erreicht sie den Rand des Dorfes. Die Sehnsucht trägt sie noch immer in sich. Sie flackert in ihr, wie ein wärmendes Feuer, ohne etwas zu verzehren.

Sie betritt die geteerte Straße und schlüpft wieder in ihre Persönlichkeit, wie in ihren alten ausgeblichenen Lieblingspulli. Nun fühlt sie sich sicher. Warm und geborgen, ohne allzu viel von sich Preis zu geben. Sie fährt mit den Fingern durch ihr windzerzaustes Haar und nennt sich wieder bei ihrem Namen.

Und sie erinnert sich.

So lebt sie ihr Leben ohne Bedauern. Freiheit ist das, was ihr in dieser Nacht geschenkt wurde. Freiheit von der Angst. Sie wartet nicht mehr, sie lebt. Träume lassen sie vorwärts gehen. Dabei überlebt nicht jeder Traum seine Geburt in der Realität. Sie findet das Leben und verliert es wieder. Sie glaubt, sie findet sich selbst und verliert sich immer wieder neu.

Sie lebt und alles ist wahr. Sie weiß, sie braucht nur sich, um das Leben zu meistern. Sie trägt den Kopf in den Wolken und stellt die Füße auf den Boden der Tatsachen.

Und so vergehen Jahre. Das Alter gräbt seine Spuren in ihr Gesicht und ihren Geist. Noch immer erinnert sie sich. Aber sie zweifelt, glaubt, sie habe nur geträumt. Sie wundert sich, dass sie sich niemals zerrissen gefühlt hat zwischen den Welten. Zwischen ihrer Sehnsucht und der Realität. Aus der Unsicherheit wird ein Schmerz und der Schmerz wird zu einem Ruf, der ihr keine Ruhe mehr lässt.

Getrieben von ihren Träumen. Ausgezehrt von schlaflosen Nächten. Zerfressen vom Zweifel kehrt sie um. Am Rande der geteerten Straße zieht sie die Schuhe aus und schält sich aus ihrer Persönlichkeit, wie aus einer zu eng gewordenen Jeans.

Der Himmel ist sternenklar in dieser Neumondnacht.

Auf der Halbinsel wartet etwas. Es ist ein Regenbogen aus gesammelten Eindrücken, ein Monster, ein Engel, ein Gespenst. Es ist Regen und Sonne, Wind und Flaute. Ein erblühender Baum, ein sterbendes Eichhörnchen. Es ist der erste Schnee. Es ist ein kleines Kind mit einem Eis am Stiel, ein Pärchen, das sich liebt. Ein Orgasmus, eine Ohrfeige. Es ist die Angst und die Hoffnung.

„Ich bin,“ sagen tausend Stimmen, wispert der Wind im dürren Gras, knirscht der Schnee unter ihren Füßen. „Du bist,“ sagt es, „niemals ganz, ohne mich.“

Und so öffnet sie sich, wie damals. Sie spürt das Rauschen der Welt und sie tanzt. Etwas greift nach ihr und sie hält sich daran fest. Ihre Stimmen schallen über die Gewässer. Resonanz, Harmonie.

Sie sind ein perfekter Moment und die Tränen des Abschieds, der verzweifelte Mut und die Angst vor dem Sprung, sie sind die Hoffnung und die Sehnsucht.

Zusammen sind sie die Welt und ihr Schmerz.

Nun ist sie eins. Ein Atem, ein Herzschlag, ein Leben.

Ich strecke die Waffen

Dezember 6, 2015

Das nervt mich jetzt richtig. Ich muss mich geschlagen geben. Aus meinem literarischen Adventskalender wird nichts.
Im Moment ist so ein Projekt zeitlich einfach nicht realisierbar. Ich könnte natürlich jeden Tag im Telegrammstil schreiben: Hallo ich lebe. Es geht mir gut. Ich arbeite viel. Das würde dann aber nicht dem entsprechen, was ich vorhatte, als mir die Idee des Adventskalenders kam.

Ich werde so oft schreiben, wie es geht. Aber im Augenblick gehe ich morgens um halb acht aus dem Haus, komme zwischen 10 und 11 Uhr abends nach Hause, bearbeite noch ein paar Dokumente und falle dann um halb eins todmüde ins Bett. Und das von Montag bis Samstag. Heute habe ich nur sechs Stunden gearbeitet. Und dann habe ich mir einen Videoabend mit einem Freund gegönnt.

Im Augenblick bin ich einfach so gut wie nie zuhause, meine Katze lebt praktisch bei meiner Oma, meine Wohnung verwildert und meine Augenbrauen sehen aus wie die von Rübezahl.

Wir stemmen gerade ein Riesenprojekt, über das ich euch gerne in Kürze mehr erzähle. Aber mein ältestes, liebstes und meist vernachlässigtes Projekt muss aus genau diesem Grund noch etwas auf meine Aufmerksamkeit warten.

Allen die hier mitlesen wünsche ich jetzt noch einen schönen Nikolaustag und eine wunderbare Vorweihnachtszeit.

02. Dezember – Tageslaune

Dezember 2, 2015

Das geht nicht mit rechten Dingen zu. Es ist Mittwoch und ich sitze am Mittag im Computerraum der Uni und habe ZEIT. Aktuell gibt es zwei Stunden, in denen ich tun oder lassen kann, was ich will.

Wahrscheinlich habe ich irgendetwas Wichtiges vergessen. Der Gedanke lässt mich völlig kalt. So ein Tag hat nur 24 Stunden und irgendwann muss auch mal nix sein. Sollte ich etwas vergessen haben, ist das ein Problem für später, nicht für jetzt.

Jetzt nutze ich die Gelegenheit ein bisschen mehr über Mo Asumang und “Die Arier” zu erzählen.

Was den Film betrifft will ich gar nicht so sehr ins Detail gehen. Mo Asumang setzt sich auf sehr persönliche und daher äußerst berührende und entlarvende Weise mit dem Thema Rassismus auseinander und fragt dazu:”Wer sind die eigentlich, diese Arier?” Dafür spricht sie unter Anderem mit Neonazis, einer Holocaust-Überlebenden, Mitgliedern des KuKluxKlan und echten Ariern. All das scheinbar angst- und vorurteilsfrei.

Mich hat der Film tief beeindruckt und ich lege jedem ans Herz, ihn sich anzusehen.

Was ich vielleicht am meisten bewundert habe ist, dass sie niemals wütend wird während sie ihre Fragen stellt. Selbst als Mitläufer einer rechten Demo ihr sagen, dass sie sich mit einer wir ihr nicht unterhalten würden, oder dass sie nach Hause nach Afrika gehen solle, bleibt sie ruhig und stellt einfache, fast schon naiv anmutende Fragen, die die Befragten aber häufig aus der Fassung und in Erklärungsnot bringen.

Ich habe gestern im Kino gefragt: In Anbetracht der Dummheit und der Gewalt, in Anbetracht dessen, wie sehr Menschen durch solche Denk- und Handlungsweisen verletzt werden, wie schaffst du es da so ruhig zu bleiben? Wie macht man es, da nicht wütend zu werden.

Als Antwort auf eine vorher gestellte Frage hatte sie schon gesagt, dass es ihr darum gehe zu verstehen. Wie denken solche Menschen? Woher kommen diese Ideen? Warum glauben sie, was sie glauben? Verstehen – nicht verurteilen.

Auf meine Frage sagte sie, dass es schon genug Wut gäbe. Hass wäre das, was die Rechten schüren wollten. Würde man da mitmachen, bei dem Hass und dem Zorn und der Angst, dann würde man nur dafür sorgen, dass sich das Rad weiterdreht. Es gibt einen Kreislauf, den man nicht mit Energie füttern sollte.

Sie hat es mehrmals mit diesen Worten ausgedrückt: Die versuchen einen Keil zwischen uns (Menschen) zu treiben und wir legen ihnen das Handwerk, indem wir den Keil herausziehen und uns einander annähren.

Die, das sind weniger die rechten Mitläufer. Die sind die Strippenzieher, die diese Ideologie mächtig macht, die die Geld damit verdienen. Die, dass sind die Leute, die andere benutzen und verheizen.

Im Film und ebenfalls in der folgenden Diskussion wurde klar, dass Rassismus auch und vor allem ein Geschäft ist. Deswegen ist auch hier die Frage essentiell: Wem nutzt es und wie?

Ja, natürlich gehört die Wut auch dazu. Natürlich ist es wichtig, dass wir auf die Straße gehen und den Rechten in Gegendemonstrationen gegenüber treten. Ja, zum Nein-Sagen. Nein, ihr repräsentiert uns nicht. Ihr seid nicht unsere Stimme. Nein, wir stimmen nicht zu.

Aber ebenso wichtig ist es, auf Menschen zuzugehen. Vielleicht einfach mal zu fragen: Warum machst du das? Wovor hast du Angst?

Zuhören und nicht direkt urteilen. Offen sein, fragen und nachhaken.

Ich weiß es klingt naiv, aber das ist es nicht. Menschen beeinflussen Menschen. Und letzen Endes ist es wichtig, dass man den Mensch aus der Masse herausnimmt und ihn als Person anspricht. Auf der anderen Seite steht das heraustreten aus der Masse und sich selbst als Mensch zu zeigen.

“Wir” und “die” das ist eine gefährliche Rhetorik. Wir sind alle Menschen und unser Menschsein verbindet uns letztlich mehr, als uns unser Anderssein trennt. Wir vergessen das manchmal, weil wir uns so sehr im Recht fühlen und die so offensichtlich unrecht haben. Aber genau dieses Menschsein verbindet uns mit denen, mit den Rechten.

Hier ein Link zum Film: KlickMichIchBinEinVerzaubertesVideo

Hier die Website zum Film: http://www.die-arier.com/film.php

 

1. Dezember und fast verkackt

Dezember 1, 2015

So, das war ja nun haarscharf. Also wenn man es genau nimmt sogar knapp vorbei, denn jetzt ist 0:42 Uhr und somit kalendarisch schon der 2. Dezember.

Ich finde, das kann man so lassen.

Ich hatte einen ereignisreichen, anstrengenden, stressigen Tag.

Am Ende dieses Tages war ich spontan und habe daraus ein gutes Gespräch gewonnen.

Ich habe Mos Asumangs “Die Arier” im Kino gesehen und ich habe Mo Asumang im Kino gesehen.

Eine lokale Initiative hat es ermöglicht, dass der Film für eingeladene Gäste kostenlos im Kino gezeigt werden konnte und Mo Asumang selbst war zum Gespräch nach Würzburg gekommen. Zu Film und anschließender Diskussion schreibe ich vielleicht morgen noch etwas.

Aber für heute: In einem vollbesetzten Kino habe ich mich gemeldet, das Mikrofon in die Hand genommen und eine Frage gestellt, die mir am Herzen lag. Ich kann mich gut an eine Zeit erinnern, in der ich mich das niemals getraut hätte und mir auch nicht vorgestellt hätte, dass ich mich so etwas traue.

Ich bin stolz auf mich. Ich bin müde. Ich bin glücklich.

Die Frage war übrigens, wie sie es schafft im Angesicht von Rassismus und dem Leid, das er verursacht, nicht wütend zu werden. Ich werde darüber dauernd wütend und dann werde ich fies und versuche nur noch überlegen zu sein.

Adventskalender

November 30, 2015

Das wird ein Projekt, über das ich nicht nachgedacht habe. Tatsächlich kam mir der Gedanke vor etwa 15 Sekunden.

In den letzten Jahren habe ich mehrer Blog-Adventskalender geführt. Zusammengebastelt aus Videos und Texten zum Thema Advent und Weihnachten.

Dieses Jahr werde ich mir selbst einen Adventskalender basteln. Ich werde jeden Tag irgendeinen Beitrag hier veröffentlichen. Irgendetwas, dass zur Tageslaune passt. Die einzige Bedingung, die ich mir selber stelle ist, dass es von mir sein muss.

Mal sehen, ob ich durchhalte. Ich möchte so gerne mehr schreiben, kreativ tätig sein und dazu muss ich mir selber ein bisschen in den Popo treten.

Enjoy.

 

Ach Mond, du fahle Jammergestalt

November 25, 2015

Er und ich und unsere möchtegern Mondphasen. Zunehmen, Kinder planen, abnehmen, Trennung. Unsere Beziehung, so regelmäßig wie nervenzehrend.

Feuer, Wasser

Vollmond, Neumond

Schwerkraft, Gezeiten

So regelmäßig, so banal dann doch nicht.

Heute geht zum zweiten Mal der Vollmond auf, ohne dass sein Gesicht am Horizont erschienen wäre. Keine Gezeiten mehr, aber immer noch die Schwerkraft.

Scheiß auf dich, Mond, auf dich und dein fahles Gesicht. Scheiß auf den Schmutz auf deiner blassen Stirn. Ich kann deine hohlen, beringten Augenhöhlen nicht mehr sehen.

Scheiß auf deine Schwerkraft, das schwache Ziehen im Bereich des Magens, das unverschämte Pulsieren ein gutes Stück weiter unten.

Ich will nicht an dich denken. Deine weißschwammige Romantik kann mich mal.

Du und ich, das ist zu Ende. Aber fertig bin ich damit noch lange nicht.

Der Mond und ich, das renkt sich schon wieder ein. Der Mond macht mich nicht mehr schlaflos, mit seinem deplatzierten Licht, dass nur eine schwächliche Reflektion der Sonne ist.

Um ehrlich zu sein vermisse ich die geisterhaften Nächte, in denen ich barfuß durch taunasse Wiesen wanderte und die Sehnsucht in meinen Gedanken roch nach Fernweh und unerzählten Geschichten.

Ich hab es ausprobiert in der helllichten Nacht im Schneeregen. Ich hab sie gespürt, die Wärme in meinen Gedanken. Meine Gefühle waren so leicht, dass ich dachte ich könnte den Geist des Sommers aus eigener Kraft erschaffen.

Barfuß im Schneeregen schaffte ich etwa hundert Schritte unter dem höhnischen Gelächter des halbverschleierten Mondes. Dann trat mir die nasskalte Realität schmerzhaft auf die Zehen, um mich daran zu erinnern, dass es für alles eine Zeit gibt.

Scheiß auf die milde grinsende milchbleiche Scheibe da oben am Novemberhimmel. Heute ist Winter. Und der Winter dauert so lange er eben dauert.

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