Halt mal kurz

„Halt mal kurz!“, würde ich gerne sagen, Känguru-Style, und jemandem die Verantwortung für mein Leben in die Hand drücken. Zumindest vorübergehend…wenigstens heute.

Es ist mal wieder so, wies immer ist. Seit Wochen schleiche ich um diesen Blog herum und frage mich: „Wieso schreiben, worüber überhaupt? Dein kleinliches Gejammere, den esoterisches Lebenlieben – das will doch niemand lesen. Geschichten – Geschichten sind es, die die Leute lesen wollen.“ Als Geschichtenerzählerin fühle ich mich aber nicht. Mein Kopf malt Bilder und erfindet Situationen, würde das Leben gerne in eine unnachahmliche Melodie schreiben. Der Zufall jedoch hat mich nicht zur Malerin oder Musikerin gemacht. Der Zufall gab mir die Worte und sagte: Das ist dein Baukasten. Mach was draus.

Warum ich jetzt doch schreibe? Weil ich heute Geschichten habe…oder zumindest kleine Anekdoten, die geteilt werden wollen. Die etwas aussagen über mich. Die beschreiben, in welcher Welt ich lebe. Und was für ein Arschloch mein Gehirn ist. Wer auch immer in die Welt gesetzt hat, dass man zu IRGENDEINEM Zeitpunkt die Kontrolle über sein Leben hat, der war ein verdammter Optimist oder ein überheblicher Lügner.

Heute war der erste Tage eines 2-tägigen Verlagsworkshops, der von unserer Uni angeboten wird und den ich mit R., meiner derzeit besten Freundin, besuche. Die Dozentin ist Cheffin eines eigenen kleinen Verlags und arbeitet seit mehr als 20 Jahren in der Branche.

Während der kompletten vier Stunden des Workshops war ich angespannt, weil sie von Studienabschlüssen, Praktika und Volontariaten sprach und all die sehr jungen Menschen da waren, die mir jeden Tag an der Uni begegnen und weil ich Mitte 30 bin und ein Lektorat schon immer mein Traumjob war und ich das Gefühl habe, ich könnte meinen Traum jetzt fast wahr werden lassen, aber nur fast, weil mich doch in 2,5 Jahren, wenn ich auf die 40 zugehe keiner mehr als Berufsanfängerin nimmt und weil ich es mir sicher nicht leisten kann Praktika zu machen statt zu arbeiten und weil irgendwo in diesen Plan auch noch Kinder hineinpassen sollen und wenn ich jetzt auch noch den Master anhänge,damit ich eine reelle Chance habe, dann habe ich sicher nicht noch den Nerv ein 1,5 Jähriges Volontariat anzuhängen und…

In den Pausen sprach ich mit R. und meinte, dass ich sicher auch auf anderem Wege Qualifikationen und Erfahrung erlangen könnte, aber dass ich plötzlich so einen großen Druck verspürte, wo ich doch mein Studium mit der Klarheit begonnen hatte, dass ich das alles nur für mich mache und überhaupt nichts dabei raus springen muss. Aber jetzt ist so viel mehr daraus geworden. Klar macht das Studium mir Spaß, aber ich habe auch verdammt hart dafür gearbeitet so weit zu kommen. Und jetzt möchte ich, dass es sich auszahlt. Ich will endlich eine Arbeit, die mich zufrieden und glücklich macht. Das Lektorat könnte Genau. Das. Sein. Aber was wenn…ich zu alt bin und zu begrenzt in meinen Möglichkeiten und wenn mein Zug schon abgefahren ist.

Nach dem Seminar waren wir die letzten Studenten, die noch mit der Dozentin im Seminarraum waren. R. sprach sie darauf an, dass wir ja nun deutlich älter wären, als unsere Kommilitonen und uns deswegen nicht sicher wären, ob wir in dem Berufszweig überhaupt noch eine Chance hätten. Die Dozentin erzählte uns voller Leben und mit sichtlicher Begeisterung, dass sie sich über Menschen wie uns freuen würde. Das wichtigste am Job wäre die Lebenserfahrung. Sie würde es begrüßen, wenn sich jemand wie wir bei ihr bewirbt. Sie wollte auch wissen, was wir bis jetzt gemacht hätten und war dann ganz begeistert aufgrund von verschiedenen absolvierten Jobs, Ausbildungen und Berufserfahrung.

Mir fiel ein so großer Stein vom Herzen, dass mir die Tränen in die Augen schossen. Es gibt wirklich eine Chance für mich! Eine echte, realistische, greifbare Chance, meinen Traumberuf auszuüben, den ich nie für erreichbar hielt.

Na und die andere Geschichte, wie ich dann beschwippst beschwingt mein Handy aus dem Fenster im dritten Stock warf, weil ich unter großer Erleichterung nicht zurechnungsfähig bin, die erzähle ich dann am Sonntag. Es ist spät und morgen früh geht der Traumjob-Workshop weiter.

Sonntagsfrage Nr. 13

Wie du weißt, bin ich Mit-Administratorin einer Feminismus-Gruppe auf Facebook. Immer wieder versuchen überwiegend männliche Profile, die Gruppe mit antifeministischen Beiträgen zu trollen. Unter Anderem wird gerne mal übers Gender Mainstreaming hergezogen, dass dann als irrationale und faschistische Theorie bezeichnet wird, der es darum geht das Denken und Leben aller Menschen mit illegitimen Mitteln zu beeinflussen.

Die schwierige Frage: Wie würdest du einem:r Nichfeministen:in den Unterschied zwischen Sex und Gender und die Bedeutung von Gender-Mainstreaming in möglichst wenigen einfachen Worten erklären? (Ja, ich weiß…sorry. Aber ich werde versuchen die Frage auch zu beantworten 😉 )

*Tempest und ich haben uns überlegt, uns eine Art regelmäßiges Stöckchen zuzuwerfen. Jeden Sonntag stellen wir uns gegenseitig eine Frage als Blogimpuls, deren Beantwortung aber auch gerne kurz und knackig ausfallen darf.

Mitleser:innen sind herzlich eingeladen die Sonntagsfrage(n) ebenfalls zu beantworten. Entweder in den Kommentaren oder auf ihren eigenen Blogs. Dann würden wir uns sehr über eine Verlinkung freuen.

Sonntagsfrage Nr. 12

Heute wird es ein bisschen persönlicher. Wenn ich es ganz kurz zusammenfassen müsste, würde ich behaupten, meine Familie besteht aus tendenziell dysfunktionalen Menschen. Ich glaube inzwischen, das ist normal. Meiner Erfahrung nach sind die Menschen, bei denen scheinbar alles glatt läuft einfach die, die ihren Shit am tiefsten vergraben.

Das tolle an unserer Dysfunktionalität ist, dass jeder weiß, was der jeweils andere falsch macht und ihm erklären kann, wie er es machen müsste, um es richtig zu machen. Und das tun wir dann auch. Unheimlich gerne reden wir erstmal übereinander, bevor wir miteinander reden. (Was wir aber glücklicherweise an irgendeinem Punkt immer schaffen.) Das Einmischen und sich umeinander Sorgen geht so weit, dass mein 29-jähriger Bruder nun seit über einem Jahr mietfrei vorübergehend bei meiner Mutter lebt und sie, da sie jetzt umziehen muss, erwägt mit ihm eine WG zu bilden.

Jetzt zu meiner Frage: Ist das noch normal? Nein Quatsch…Aber: natürlich sorgen sich Familien umeinander. Aber wie viel Fürsorge und Einmischung sind normal und gesund?

*Tempest und ich haben uns überlegt, uns eine Art regelmäßiges Stöckchen zuzuwerfen. Jeden Sonntag stellen wir uns gegenseitig eine Frage als Blogimpuls, deren Beantwortung aber auch gerne kurz und knackig ausfallen darf.

Mitleser:innen sind herzlich eingeladen die Sonntagsfrage(n) ebenfalls zu beantworten. Entweder in den Kommentaren oder auf ihren eigenen Blogs. Dann würden wir uns sehr über eine Verlinkung freuen.