Ich strecke die Waffen

Das nervt mich jetzt richtig. Ich muss mich geschlagen geben. Aus meinem literarischen Adventskalender wird nichts.
Im Moment ist so ein Projekt zeitlich einfach nicht realisierbar. Ich könnte natürlich jeden Tag im Telegrammstil schreiben: Hallo ich lebe. Es geht mir gut. Ich arbeite viel. Das würde dann aber nicht dem entsprechen, was ich vorhatte, als mir die Idee des Adventskalenders kam.

Ich werde so oft schreiben, wie es geht. Aber im Augenblick gehe ich morgens um halb acht aus dem Haus, komme zwischen 10 und 11 Uhr abends nach Hause, bearbeite noch ein paar Dokumente und falle dann um halb eins todmüde ins Bett. Und das von Montag bis Samstag. Heute habe ich nur sechs Stunden gearbeitet. Und dann habe ich mir einen Videoabend mit einem Freund gegönnt.

Im Augenblick bin ich einfach so gut wie nie zuhause, meine Katze lebt praktisch bei meiner Oma, meine Wohnung verwildert und meine Augenbrauen sehen aus wie die von Rübezahl.

Wir stemmen gerade ein Riesenprojekt, über das ich euch gerne in Kürze mehr erzähle. Aber mein ältestes, liebstes und meist vernachlässigtes Projekt muss aus genau diesem Grund noch etwas auf meine Aufmerksamkeit warten.

Allen die hier mitlesen wünsche ich jetzt noch einen schönen Nikolaustag und eine wunderbare Vorweihnachtszeit.

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02. Dezember – Tageslaune

Das geht nicht mit rechten Dingen zu. Es ist Mittwoch und ich sitze am Mittag im Computerraum der Uni und habe ZEIT. Aktuell gibt es zwei Stunden, in denen ich tun oder lassen kann, was ich will.

Wahrscheinlich habe ich irgendetwas Wichtiges vergessen. Der Gedanke lässt mich völlig kalt. So ein Tag hat nur 24 Stunden und irgendwann muss auch mal nix sein. Sollte ich etwas vergessen haben, ist das ein Problem für später, nicht für jetzt.

Jetzt nutze ich die Gelegenheit ein bisschen mehr über Mo Asumang und „Die Arier“ zu erzählen.

Was den Film betrifft will ich gar nicht so sehr ins Detail gehen. Mo Asumang setzt sich auf sehr persönliche und daher äußerst berührende und entlarvende Weise mit dem Thema Rassismus auseinander und fragt dazu:“Wer sind die eigentlich, diese Arier?“ Dafür spricht sie unter Anderem mit Neonazis, einer Holocaust-Überlebenden, Mitgliedern des KuKluxKlan und echten Ariern. All das scheinbar angst- und vorurteilsfrei.

Mich hat der Film tief beeindruckt und ich lege jedem ans Herz, ihn sich anzusehen.

Was ich vielleicht am meisten bewundert habe ist, dass sie niemals wütend wird während sie ihre Fragen stellt. Selbst als Mitläufer einer rechten Demo ihr sagen, dass sie sich mit einer wir ihr nicht unterhalten würden, oder dass sie nach Hause nach Afrika gehen solle, bleibt sie ruhig und stellt einfache, fast schon naiv anmutende Fragen, die die Befragten aber häufig aus der Fassung und in Erklärungsnot bringen.

Ich habe gestern im Kino gefragt: In Anbetracht der Dummheit und der Gewalt, in Anbetracht dessen, wie sehr Menschen durch solche Denk- und Handlungsweisen verletzt werden, wie schaffst du es da so ruhig zu bleiben? Wie macht man es, da nicht wütend zu werden.

Als Antwort auf eine vorher gestellte Frage hatte sie schon gesagt, dass es ihr darum gehe zu verstehen. Wie denken solche Menschen? Woher kommen diese Ideen? Warum glauben sie, was sie glauben? Verstehen – nicht verurteilen.

Auf meine Frage sagte sie, dass es schon genug Wut gäbe. Hass wäre das, was die Rechten schüren wollten. Würde man da mitmachen, bei dem Hass und dem Zorn und der Angst, dann würde man nur dafür sorgen, dass sich das Rad weiterdreht. Es gibt einen Kreislauf, den man nicht mit Energie füttern sollte.

Sie hat es mehrmals mit diesen Worten ausgedrückt: Die versuchen einen Keil zwischen uns (Menschen) zu treiben und wir legen ihnen das Handwerk, indem wir den Keil herausziehen und uns einander annähren.

Die, das sind weniger die rechten Mitläufer. Die sind die Strippenzieher, die diese Ideologie mächtig macht, die die Geld damit verdienen. Die, dass sind die Leute, die andere benutzen und verheizen.

Im Film und ebenfalls in der folgenden Diskussion wurde klar, dass Rassismus auch und vor allem ein Geschäft ist. Deswegen ist auch hier die Frage essentiell: Wem nutzt es und wie?

Ja, natürlich gehört die Wut auch dazu. Natürlich ist es wichtig, dass wir auf die Straße gehen und den Rechten in Gegendemonstrationen gegenüber treten. Ja, zum Nein-Sagen. Nein, ihr repräsentiert uns nicht. Ihr seid nicht unsere Stimme. Nein, wir stimmen nicht zu.

Aber ebenso wichtig ist es, auf Menschen zuzugehen. Vielleicht einfach mal zu fragen: Warum machst du das? Wovor hast du Angst?

Zuhören und nicht direkt urteilen. Offen sein, fragen und nachhaken.

Ich weiß es klingt naiv, aber das ist es nicht. Menschen beeinflussen Menschen. Und letzen Endes ist es wichtig, dass man den Mensch aus der Masse herausnimmt und ihn als Person anspricht. Auf der anderen Seite steht das heraustreten aus der Masse und sich selbst als Mensch zu zeigen.

„Wir“ und „die“ das ist eine gefährliche Rhetorik. Wir sind alle Menschen und unser Menschsein verbindet uns letztlich mehr, als uns unser Anderssein trennt. Wir vergessen das manchmal, weil wir uns so sehr im Recht fühlen und die so offensichtlich unrecht haben. Aber genau dieses Menschsein verbindet uns mit denen, mit den Rechten.

Hier ein Link zum Film: KlickMichIchBinEinVerzaubertesVideo

Hier die Website zum Film: http://www.die-arier.com/film.php

 

1. Dezember und fast verkackt

So, das war ja nun haarscharf. Also wenn man es genau nimmt sogar knapp vorbei, denn jetzt ist 0:42 Uhr und somit kalendarisch schon der 2. Dezember.

Ich finde, das kann man so lassen.

Ich hatte einen ereignisreichen, anstrengenden, stressigen Tag.

Am Ende dieses Tages war ich spontan und habe daraus ein gutes Gespräch gewonnen.

Ich habe Mos Asumangs „Die Arier“ im Kino gesehen und ich habe Mo Asumang im Kino gesehen.

Eine lokale Initiative hat es ermöglicht, dass der Film für eingeladene Gäste kostenlos im Kino gezeigt werden konnte und Mo Asumang selbst war zum Gespräch nach Würzburg gekommen. Zu Film und anschließender Diskussion schreibe ich vielleicht morgen noch etwas.

Aber für heute: In einem vollbesetzten Kino habe ich mich gemeldet, das Mikrofon in die Hand genommen und eine Frage gestellt, die mir am Herzen lag. Ich kann mich gut an eine Zeit erinnern, in der ich mich das niemals getraut hätte und mir auch nicht vorgestellt hätte, dass ich mich so etwas traue.

Ich bin stolz auf mich. Ich bin müde. Ich bin glücklich.

Die Frage war übrigens, wie sie es schafft im Angesicht von Rassismus und dem Leid, das er verursacht, nicht wütend zu werden. Ich werde darüber dauernd wütend und dann werde ich fies und versuche nur noch überlegen zu sein.