Antwort auf Sonntagsfrage Nr. 11

Tempest wollte diesmal von mir wissen, was in diesem Semester das/die Highlight(s) meines Uni-Alltags/der Vorlesungszeit waren.

Das kann ich wirklich knapp beantworten: Die gab es dieses Semester nicht wirklich. Ich war so von anderen Dingen eingenommen, dass ich die Uni ehrlich gesagt sehr vernachlässigt habe.

Die Veranstaltungen, die ich besuchte waren größtenteils verpflichtende, die ich abarbeiten wollte und all zu viele waren es auch nicht. Das waren schon mal die nicht ganz so guten Startvorausetzungen. Ein positiver Grund für meine Vernachlässigung war, dass ich endlich wieder ein erfülltes Sozialleben führe. Deine Freundschaft hat dazu beigetragen und natürlich auch F. (wie die neue Liebe ab jetzt hier heißt) Dann gab es Ärger auf der Arbeit, was mich unheimlich viel Kraft gekostet hat. Das konnte ich zwar nicht wirklich lösen, aber ich habe inzwischen eine neue Arbeit gefunden. Und zuletzt natürlich Gs Erkrankung, die uns irgendwie alle von den Füßen gerissen hat.

Jetzt geht es darum, die inneren Reserven langsam wieder aufzufüllen und die Kräfte klug einzuteilen und dann die wenigen Prüfungsleistungen zu bewältigen, die ich dieses Semester habe.

Der scheiß ich in die Geranientöpfe!

Die Veränderungen in meinem Leben führen dazu, dass ich neuerdings immer wieder neue Freundschaften schließe. 

Ich hab gemerkt, wenn ich gerade dabei bin jemanden kennenzulernen mag ich die Stille, die zwischen zwei Menschen entstehen kann, nicht. Bei guten Freunden schätze ich ein „komfortables“ gemeinsames Schweigen sehr. Bei neuen Bekannten bin ich mir einfach viel zu unsicher, ob es nun ein komfortables oder unangenehmes Schweigen ist. Was beinahe jedes Schweigen verdammt unangenehm macht…

Daher kommt meine Angewohnheit bei unvertrauten sozialen Interaktionen mehr oder weniger sinnige Konversationen einzuleiten. 

So auch gerade eben, als ich mit der B., meiner neuen Bekannten, vom Schwimmbad im Gewitterregen nach Hause lief. (Der Regen tut bei der Geschichte nix zur Sache. Aber es war schön, dass er da war und er hat uns beiden gefallen. Das spricht sehr für meine neue Bekannte, die B.)

Wir liefen an einer engen Stelle neben einer Baustelle vorbei. Rechts Bauzaun, links weiß-rote Begrenzung zu den Straßenbahnschienen. Es roch rechts wie links nach Urin und wir hatten gerade so ein Schweigen eingeleitet:

Ich: Pah, hier stinkts aber ganz schön nach Pisse!

Die B.: Ich kann dir auch sagen woher das kommt.

Ich: Ja? Na erzähl mal.

Und so erzählte sie. Wie es üblich sei, dass Mütter und Väter ihren kleinen Söhnen helfen, sich überall zu erleichtern, wo sie gerade gehen und stehen.

Die B.: Bei Mädels machen die das nicht. Ich habe noch nie eine Mutter gesehen, die ihre Tochter ermuntert: „Du kannst auch gleich hier an die Straßenlaterne pinkeln!“

Ich: Hm, du hast, glaube ich, vollkommen recht. Ich denke du hast gerade die Welt ein kleines bisschen verbessert. Ich werde das meinem Sohn anders beibringen, falls ich mal einen habe.

Sie erzählte weiter, wie sie eine Mutter, die ihren Jungen an einen Blumenkübel vor dem Stadttheater pinkeln ließ, dazu angehalten hatte das doch in Zukunft zu unterlassen. Dazu hatte sie ihr den Hinweis gegeben, dass die nahe liegende Gaststätte sie sicher mit dem Jungen auf die Toilette lassen würde. Die Frau habe sich entrüstet abgewendet.

Die B.: Dann kam der ihr Mann dazu. Du weißt schon, Imponiergehabe. Sich auf die Brust klopfen und Weibchen und Junges verteidigen.

Sie beschrieb, wie sich der Mann richtig in seine Wut hineinsteigerte, als sie auch ihm erklärte, dass so ein Verhalten unmöglich sei. Als er sie darauf hinwies, dass es dann ihre Schuld sei, wenn der Junge sich in die Hose mach, siezte er sie noch. Kurz darauf nannte er sie eine dumme Sau, die ihm nichts zu sagen habe.

Die B.: Ich glaube einen Mann zu finden wird für mich richtig schwierig, wenn alle Söhne das so von ihren Müttern lernen.

Ich: Ach iwo.  Selbst wenn sie das alle so lernen, bestehen Beziehungen doch auch aus Kompromissen. Dann wird er das sicher dir zuliebe lassen, auch wenn seine Mutter ihm das so beigebracht hat.

Die B.: Hah, das geht. Aber wenn das so eine ist, dann besuch ich die aber lieber nie zuhause.

Ich: So schlimm?

Die B.: Ohja! Oder ich scheiß der Alten in die Geranientöpfe!

Ich: Du machst was?

Die B.: Na wenn ich doch muss?

Fragment meiner Gedanken in viel zu vielen Worten (VI. Fallendienstag)

Jetzt mal Tacheles:

Valentinstag ist Mist. Daher wurde dieses Jahr auch die Aktion „Wir scheißen auf Valentinstag“ vom letzten Jahr wiederholt. Fotos folgen. Nur so viel: Meine Ratten haben sich über rot-beherztes Toilettenpapier mit Kirschduft gefreut.

Jedoch wurden mir gestern ein bisschen die Augen geöffnet und ich reihe mich jetzt mal in die Reihe der „Leute-die-eine-Meinung-zu-Valentinstag-haben-und-diese-teilen-müssen“ ein.

Also von vorne. Valentinstag ist Mist. Einfach deshalb, weil es mir persönlich widerstrebt, meine Lieben an einem bestimmten Tag mit Zuneigung und Konsumgütern zu überhäufen und damit dann für den Rest des Jahres aus dem Schneider zu sein.

Es ist nicht einfach deshalb Mist, weil man da romantische Geschenke macht und Blumen überreicht. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Ich finde es nur traurig, dass es anscheinend wirklich einen Tag braucht, an dem wir daran erinnert werden, wie sehr wir die Menschen lieben, mit denen wir unser Leben teilen. (Vielleicht hört man den Tenor heraus: Ich spreche nicht ausschließlich von sexuellen Beziehungen.) Wir lieben uns doch jeden Tag, nicht nur am Valentinstag. Warum ist es denn so schwer, sich das einfach mal, ohne besondere Veranlassung, zu zeigen. Im Alltag, an einem Tagwiealleanderen?

Ich freue mich wahnsinnig, wenn ich meinen Freunden kleine Geschenke machen kann und sehe, wie sie sich darüber freuen.

Ich freue mich auf jeden Sonntag morgen, den ich mit meinen Mitbewohnern beim ausgedehnten Frühstück verbringen darf.

Ich habe mich über die Weihnachtskarte gefreut, die ich von der Mutter meines Exfreundes erhalten habe, obwohl ich gar nicht wusste, dass sie noch an mich denkt.

Ich habe mich gefreut, als K. gestern doch noch zu Besuch kam, obwohl ich gar nicht mit ihm gerechnet hatte. Ich habe mich nicht gefreut, weil mich am Valentinstag ein Mensch in den Armen hielt, der mir wichtig ist. Ich habe mich gefreut, weil er da war, ganz nah bei mir, an einem Tagwiejederandere. An einem Dienstag, Fallendienstag, weil ich mich bei ihm immer so schön fallen lassen kann 🙂

An einem Valentinstag alleine zu sein ist scheiße. Es ist scheiße, weil uns von allen Seiten gezeigt wird, wie schön es ist NICHT alleine zu sein. Es ist scheiße, weil das einer der Tage ist, wo es mir schwer fällt zu lächeln und zu sagen: Was solls, dann bin ich Single. Mein Leben ist auch so schön. Für mich ist das Leben mit einem Partner sehr viel schöner als ohne.

Der Denkanstoß gestern kam von K.: Die Leute, die an solchen Tagen schreiben, wie egal es ihnen doch ist, am Valentinstag allein zu sein, beweisen damit nur, dass es ihnen eben NICHT egal ist.

Hier ist ein weiterer Grund, warum ich Valentinstage scheiße finde:

Überall, wirklich überall wirst du darauf hingewiesen, wie wichtig es ist einen Partner, Freund, Geliebten oder Ehemann zu haben. Für Menschen, die alleine sind, nicht weil sie es so wollen, sondern weil es aus irgendwelchen Gründen nun mal so ist, ist das quälend. Dabei vergisst man leicht, dass es meistens besser ist aus den richtigen Gründen alleine zu sein, als aus den falschen Gründen mit jemandem zusammen.

Warum Valentinstag scheiße ist?

Es ist so leicht mit ganz kleinen Gesten an die Menschen zu denken, die uns nahe stehen. Mit einem Anruf, mit einem schön gedeckten Tisch, mit einer Einladung zum Kaffee, herrje, die C. freute sich riesig, als ich mich neulich mit einer Kanne Tee und einem romantischen Film bei ihr im Zimmer einquartierte. Und meistens reicht es ja schon den anderen Menschen kurz wissen zu lassen, dass man an ihn denkt, um ihm eine Freude zu machen.

Wer hat denn bitteschön bestimmt, dass man seine Zuneigung am besten am 14. Februar mit Blumen, Karten, Schokolade oder Schmuck zeigt?

Schwachsinn!