Glaube verloren

So gefunden am Bahnhof auf einer Fensterbank, die Kette zerissen.

Vielleicht nur ein modisches Accessoire….auf jeden Fall empfand ich die Symbolik als ziemlich stark.

Meine persönliche Einstellung zu Religion und Glaube lässt sich ganz einfach zusammenfassen:

Glaube = Aberglaube.

Es mag helfen an eine höhere Macht zu glauben, wenn man verunsichert ist. Es ist ja nur menschlich, nach einem Sinn im Leben zu suchen. Die Idee, dass nach dem Tod nicht alles vorbei ist ist tröstlich. Der Gedanke, dass jeder irgendwann Rechenschaft für seine Taten ablegen muss hilft uns dabei nicht an der Gerechtigkeit zu zweifeln. Und es ist vielleicht leichter moralisch zu handeln, wenn man klare Regeln vorliegen hat.

Doch der einzige Glaube, den ich brauche um durch das Leben zu kommen ist der, dass jeder Mensch eine ebenso komplexe Persönlichkeit besitzt wie ich. Wir alle denken und fühlen. Wir empfinden Schmerz und Freude. Wir sind zu Gutem und zu Schlechtem in der Lage. Wir sind fehlbar! Wie schwer ist es denn moralisch zu handeln, wenn ich im Stande bin mir auszumalen welche Konsequenzen meine Taten für andere haben? Und welchen Sinn macht es unverrückbare Prinzipien zu haben, wenn doch jeder Mensch, jedes Leben, jede Situation etwas gänzlich neues ist?

Alles was wir haben ist unser Leben.

Das lässt nur einen Schluss zu: Wir müssen das Beste aus uns und unserem Leben machen, denn es gibt keinen zweitern Versuch. Wir müssen versuchen die beste Version von uns selbst zu sein. Jetzt, hier, mit diesen Menschen.

Ist das nicht Sinn und Inhalt genug?

(Ich hab keine Ahnung was Rockstar Supernova und wer Ryan Star ist…aber ich mochte das Cover trotzdem.)

Müssen nur wollen (Part II.)

Ja muss ich denn? Und wenn nicht, was soll ich wollen…oder besser: Was will ich eigentlich? Und will soll ich das spüren, wenn ich immer nur dem hinterheretze, was ich wollen soll?

Ich habe es denke ich schon mal erwähnt. Ich hab das so ein kleines Problem. Eine Krankheit, die kommt und geht wie es ihr gerade passt. Jetzt, da der Sommer endgültig gegangen ist, ist für diese genau die richtige Zeit wieder zurückzukommen. Das heißt, ich bin froh, wenn ich funktioniere. Wenn ich Schritt halten kann. Und das schaffe ich im Augenblick. Nicht mit Leichtigkeit, aber es geht. Und dabei geht es mir einigermaßen gut.
Das ist eine ganz neue Welt. Wenn ich nur ein Jahr zurückblicke sah das ganz anders aus. Gehen wir 2 Jahre zurück erinnere ich mich an viele durchgeweinte Nächte. Und nur ein halbes Jahr davor gab es Tage, an denen ich das Bett nicht verlassen habe.

I´ve come a long way.

Und doch…schaffe ich es einfach nicht mit mir im Reinen zu sein.

Da sind die Fragen, die andere mir stellen, und die Erklärungsnot in der ich mich dann sehe.
Das versteh ich aber nicht, Nyx, warum studierst du denn nicht?
2003? Und was hast du seit dem Abi gemacht?

Da sind die Fragen, die ich mir selbst stelle:
Wirklich? Ich konnte nicht studieren? War ich nicht einfach zu faul?

Da ist diese Vision eines Lebens, das ich gerne hätte, jetzt. Sicherheit, Liebe, Familie.

Und da ist dieses Idealbild, was es bedeutet ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu sein.
Von zahllosen Hobbies, über ein blühendes Sozialleben und die richtigen Geldanlagen bis hin zum aktiven Konsum. Vom Ausnutzen der Talente, über die Selbstfindung bis hin zum gesunden, trainierten Körper.

Herzlichen Dank, ich bin froh, dass ich überhaupt gelernt habe zu funktionieren. Und das Beste: Meistens bin ich mit der Situation einigermaßen zufrieden.

Doch eins weiß ich: Auf Dauer ist mir Zufriedenheit nicht genug. Ich will Glück!

Nicht immer und jeden Tag, aber immer und immer wieder. Ich weiß was ich dazu brauchen soll, ich weiß was ich dazu können sollte…aber am Ende werde ich herausfinden, was ICH brauche. Nicht mehr und nicht weniger.

Ballast der Vergangenheit in viel zu vielen Worten (II. Fragment: Das traurige Mädchen)

(Nachtrag von Anfang Juni.)

Ich bin das traurige Mädchen, das traurige Mädchen bin ich nicht.

Ich bin müde. Im Moment mach mich alles müde. Und die Stunden, die ich frei habe zerinnen mir. Dabei strecken sich die Wochen immer länger. Wie kann die Zeit zugleich rasen und beinahe stehen? Irgendetwas in mir verfällt immer wieder in Lethargie. Stumpft ab, vergräbt sich vor der Welt und versucht zu vergessen, dass es sie gibt.

Ich habe meinen Blog geschaffen, um mich über genau das äußern zu können. In der Hoffnung jemand teile meine Gedanken oder kann sie zumindest verstehen. Aber jetzt kennen viele den Blog, die mich auch persönlich kennen. Darunter Menschen, die mein Verhalten kritisch beäugen. Die mitdenken, die sich sorgen und dabei werten und Urteile fällen.

Diesen Menschen versuche ich nur einen Teil von mir zu zeigen. Den Teil, der gelernt hat durchzuhalten. Der Freunde gewinnen kann, der sich der Welt stellt und der Depression immer und immer wieder die Stirn bietet.

Das ist kein Betrug. Weder an den anonymen Lesern, meinen Freunden oder mir selbst. Das, was man hier lesen kann bin ich. Die starke Nyx. Die, die die Welt durch positive Gedanken filtert. Die einem Haufen Dreck noch eine Ahnung von Schönheit abzutrotzen versucht. Das bin ich.

Aber ich bin auch die andere. Das traurige Mädchen. Das Mädchen ist zufrieden, wenn es nicht zufrieden ist. Denn dann ist die Welt in Ordnung. Dann ist die Welt in der Art angeordnet, die es am besten kennt.

Das Mädchen ist es, das gefragt wird, ob alles in O.K. ist, weil es so traurig schaut. Dabei ist das bei dem Mädchen nur der ganz normale entspannte Gesichtsausdruck…

Das Mädchen verliert Zeit. Da wird aus Monatg ganz schnell Freitag. Aus Freitag Sonntag und der Mai zum Juni…

Das Problem dabei liegt vielleicht nicht auf der Hand. Das Mädchen ist keinensfalls allmächtig. Mittlerweile habe ich die Zügel in der Hand. Ich, die Gesamtperson führe Regiment über mein Zuchthaus an Persönlichkeiten. Es gibt keinen Krieg mehr. Es gibt lediglich mal ein kurzes Aufbegehren. Aber das Mädchen verliert Zeit.

Und wenn ich Zeit verliere ist es, als verschwände ich vorübergehend mit Verstand und Gefühl in einem schwarzen Loch zwischen den Maschen der Welt. Das Leben verschwimmt zu einem indifferenten Brei und ich atme nicht, ich fühle nicht, ich schlafe schlecht. Alles ist irgendwie unscharf.

Wie also soll ich verhindern, dass das Mädchen bestimmt, wenn ich das Mädchen bin und nur noch halb bei Bewusstsein?

Sobald ich es sehe, erkenne, dass ich einfach mit dem Strom treibe wie ein halbtoter Fisch, ist nichts mehr wirklich schwer.

Ich öffne die Augen, wie Fenster, atme tief durch und lasse den Mief heraus. Dann spüre ich auch wieder, was gut für mich ist. Wenn ich es erst einmal erwischt habe, das traurige kleine Ding, dann dauert es keinen Tag bis ich es wieder in sein stilles Zimmer verwiesen habe.

Doch wie, wie kann ich es sehen, wenn ich so blind bin? Wie kann ich verhindern, dass ich es erst entdecke, wenn ich in eine kleine oder große Katastrophe getrottet bin?

Vielleicht ist dies ein Schritt. Meine Gefühle wieder zu teilen, mit denen, die sich um mich sorgen. Hoffen, dass sie es verstehen. Verstehen, dass ich nicht schwach bin. Dass ich nicht mehr das traurige Mädchen bin und doch das traurige Mädchen bin. Dass ich Nyx bin, stark und von mir selbst überzeugt, kriegerisch und frei und auch nicht Nyx sein kann.