I can feel the night beginning….(XI: Spiegel)

„Ich will uns dabei im Spiegel sehen!“

Er sah den Hunger in ihren Augen und ihm wurde schlecht, kaum dass er die Worte ausgesprochen hatte. Dieser eine Blick, das silbrige Glänzen in ihren Augen, hatte ausgereicht, um den Bann zu schwächen unter dem er stand. Er verzog das Gesicht zu etwas, dass wie ein lüsternes Grinsen aussehen sollte und stemmte sich mit zitternden Armen auf die Ellenbogen hoch.

„Mein schöner, schöner Josua“, gurrte sie und er konnte fühlen, wie sein Wille wankte. Er wollte sie, wollte sie noch immer. Wollte spüren, wie sich ihre Lippen wieder um sein Glied schlossen und ihre Zunge ihn feucht und heiß begrüßte. Er wollte, dass sie an ihm lutschte, er wollte sie ficken und es war ihm beinahe egal, dass nicht nur seine Lust ihn verbrennen würde. Das Ding, dass noch immer zwischen seinen Schenkeln kniete und ihn mit unschuldigen blauen Augen ansah, würde ihn leer trinken, wie eine Spinne, die die verflüssigten Eingeweide ihrer Beute aussaugte.
Beinahe, er versuchte Luft in seine verkrampfte Brust zu bekommen, es war ihm nur beinahe egal. Schwerfällig rappelte der Jäger sich auf, stellte sich vor sie hin und streckte beide Hände nach ihr aus.

„Eva“, hauchte er kurzatmig, „komm schon!“

Endlich ergriff sie seine dargebotenen Hände und er zog sie schwungvoll vom Bett in seine Arme. Gott, sie fühlte sich so gut an. Die glatte, kühle Haut ihres Rückens unter seinen Händen ließ ihn schwindeln. Er konnte sich nicht mehr entsinnen, wie man einen Fuß vor den anderen setzte. Eineinhalb Meter lagen vor ihm. Zwei Schritte vom Bett bis zum Spiegel und er konnte sich nicht bewegen. Eineinhalb Meter…und er wusste nicht wie! Er sah auf ihr Gesicht und sie blickte ihn an, mit diesem silbernen Glanz in den Augen…tiefe Brunnen blickten zu ihm auf und labten sich an seiner Lebensenergie. Er fühlte, wie er vor einem Abgrund stand und hinab starrte. Er müsste nichts tun, außer sich selbst loszulassen. Loslassen war so viel einfacher, als sich weiter festzuklammern. Er war so müde.

Josua ließ sich fallen, schwankte, stolperte nach vorne und das war der Moment indem die Nervenknoten in seinem Rückgrat die Regie übernahmen. Der Reflex ließ ihn einen Schritt nach vorne machen und er schreckte aus seiner Trance auf. Er blinzelte. Scheinbar verdutzt musterte ihn der Succubus.

„Josua? Ich bin hier,“ sie versuchte seinen Blick zu fixieren und strich sanft mit ihrer Hand über seine Wange. Erneut begann der Dämon sein teuflisches Lied zu summen. Viel Zeit und Selbstkontrolle blieben ihm nicht mehr.

„Hmh“, er versuchte sie nicht anzusehen. Wenigstens war ihm wieder eingefallen, wie man ging. Hastig setzte er sie vor dem großen Standspiegel ab.

Er schluckte schwer, sah Eva tief in die Augen: „Sieh hin, du bist wunderschön!“ Es war nicht schwer überzeugt zu klingen, denn er meinte was er sagte.

Sie kicherte: „So wie du, mein stattlicher, stattlicher Held.“ Er brauchte nicht erst in den Spiegel zu sehen, um zu wissen, dass das eine Lüge war. Stattdessen zog er sie an sich und küsste sie leidenschaftlich. Eva begann zu schnurren und wieder schoss ihm das Blut vom Kopf direkt in die Leibesmitte. Er kratzte die letzten Reste seines Willens zusammen, schob sie auf Armeslänge von sich weg und versuchte sie zum Spiegel hin zu drehen, doch Eva fixierte ihn fest mit ihrem Blick. Verdammt, wenn das Miststück wollte, dass er grob wurde sollte sie es so haben! Grob packte er die Frau, drehte eine ihrer Hände auf den Rücken und schob sie vor den Spiegel. Dann fasste er ihren Unterkiefer fest mit der freien Hand und wendet ihr Gesicht in Richtung der glänzenden Glasfläche.

„Sieh hin, Schlampe!“ Er spuckte ihr bei diesen Worten fast ins Gesicht und sie sah endlich hin. Blickte in ihre weit aufgerissenen Augen und stürzte in ihren eigenen Abgrund. Ein Ausdruck dümmlichen Entzückens erblühte auf ihrem Gesicht. Langsam sank sie in die Knie.

„So schön Schwester, so schön, so wunderwunderschön…“ Sie hypnotisierte sich selbst und Josua war wild entschlossen seine einzige Chance zu nutzen. Mit gefühllosen Fingern wühlte er das Amulett aus seinem Hemd und riss es mit einem festen Ruck von seinem Hals. Zum tausendsten Mal betrachtete er das silberne Schmuckstück in seiner Hand. Der ovale Anhänger an der zerrissenen Kette war aus altersschwarzem Silber und etwa so groß wie eine zwei Euro Münze. Auf der Vorderseite war das Metall glatt und lediglich fleckig, wo es oxidiert war, die Rückseite jedoch wurde  blutrot von dutzenden Symbolen unterbrochen, die entfernt an germanische Runen erinnerten.

Er musste den Spiegel zerstören, solange der Succubus noch von seinem eigenen Bild gefangen genommen wurde. Seine hektischer Blick fand auf Anhieb nichts, was ihm dabei helfen konnte. Also biss er die Zähne zusammen, wappnete sich gegen den Schmerz und schlug mit aller Gewalt die Faust gegen die Spiegelfläche. Das Glas zersprang und messerscharfe Scherben und Splitter gingen in einem silbernen Regen über dem Succubus zu Boden und die dunkle, hölzerne Rückwand des Ständers wurde sichtbar. Die Erschütterung des Schlages fuhr dem Jäger wie ein Blitz bis in die Schulter und er konnte einen schmerzerfüllten Aufschrei nicht unterdrücken. Zum Glück hatte er keine Zeit den angerichteten Schaden zu begutachten, denn unter ihm fing Eva an jämmerliche, wortlose Schreie auszustoßen. Sie war in sich zusammen gesackt und wühlte mit blutigen Händen in den Scherben, um ihr eigenes Bild wiederzufinden.

Er packte sie mit seiner unversehrten Hand am Hals, um sie ruhig zu halten, während er mit der anderen das Amulett mit der gravierten Seite nach unten gegen ihre Stirn presste. Er murmelte eine Formel in der Sprache der Hexen, die eine Seele befreien und den Zauber aus dem Amulett lösen sollte. Er hatte noch nie die Chance gehabt einen Succubus zu verbannen und wusste daher nicht, ob er die Worte richtig gewählt und die Silben korrekt betont hatte. Kein helles Licht und kein Glockenläuten kündigte von seinem Erfolg. Die Magie der Wiccan war still und effektiv. Mit einem Seufzen fiel das Mädchen kraftlos nach hinten. Josua selbst hatte weder die Energie noch die Reaktionsgeschwindigkeit, um sie aufzufangen und so schlug ihr Kopf hart auf dem Holzboden auf.

Er zuckte schuldbewusst zusammen. Erschöpft kroch er um sie herum und sah in ihr Gesicht. Am Flattern ihrer Lider konnte er erkennen, dass sie irgendwo zwischen Wachen und Bewusstlosigkeit war. Ziemlich unsanft schlug er ihr auf die Wange: „Eva! Eva hörst du mich? Komm zu dir verdammt!“

Sie öffnete langsam und mühsam die Augen, so als kämpfe sie gegen ein Gewicht an, das sie ihr wieder zu verschließen drohte. Dann sah er ihr in die Augen. Braun, ihre Augen waren braun!

„Eva?“, fragte er sanft. Sie schluckte und ihr Blick fand endlich seinen.

„Ich….oooooh shit!“, sie schlug seine Hände von sich und kroch durch den Scherbenhaufen rückwärts von ihm weg. „Fass mich nicht an!“, fauchte sie.

Beschwichtigend hielt er die Hände mit den Flächen nach außen vor seine Brust, um ihr zu signalisieren, dass er weder bewaffnet war, noch vorhatte sich ihr zu nähern. Sie hockte in einer Ecke zwischen Kommode und Wand und schlang ihre Arme um ihre Knie. ‚Warte‘, wollte er sagen, ‚warte, lass uns reden.‘ Doch er sparte sich die platten Sprüche. Der Zorn kochte heiß in ihm, als er das verängstigte Mädchen ansah, dass mit blutenden Händen und Knien weinend in der Ecke saß.

Erschrocken bemerkte er, dass er noch immer halbnackt vor ihr hockte. Kein Wunder, dass sie wollte dass er ihr fern blieb. Ohne den Blick von Eva abzuwenden, versuchte er die Hose hinter sich auf dem Boden vor dem Bett zu ertasten. Als er sie endlich gefunden hatte und hastig nach ihr griff, schrie er erschrocken auf. Er hatte seine verletzte Hand vergessen! Der Schmerz war so heftig, dass ihm kalter Schweiß ausbrach. Er traute sich kaum hinzusehen. Als er es schließlich doch tat war er überrascht, dass die Hand nicht einmal so schlimm aussah. Natürlich blutete er stark, aber es waren noch alle Finger dran. Die Fingerknöchel waren von der Wucht des Schlages aufgeplatzt und zwischen Ring und Mittelfinger ragte das Ende eines Splitters aus der Haut. Kein Wunder, dass das weh tat! Mit spitzen Fingern zog er das Glasstück aus seiner Hand. Die Scherbe war gut und gerne drei Zentimeter lang. Probehalber machte er vorsichtig eine Faust. Der Schmerz trieb ihm die Tränen in die Augen, doch es ging. Mit etwas Glück war also nichts gebrochen.

Josua atmete einmal tief ein und aus. Er ließ sich auf das Bett fallen, um kurz seine Gedanken zu sortieren. Im Augenblick war er deutlich überfordert. Das Mädchen, die Hand, seine unbedeckte Blöße….er wusste nicht einmal, was davon er zuerst versorgen sollte. Doch diesmal war das Schicksal gnädig zu ihm und nahm ihm die Entscheidung ab. Plötzlich kippte nämlich der Boden auf ihn zu und ein blendendes Licht explodierte in seinem Hinterkopf. Er hatte gerade noch Zeit sich darüber klar zu werden, dass er gerade niedergeschlagen worden war, als er auch schon mit dem Parkett kollidierte und das Licht ausging.

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I can feel the night beginning…(X: Festmahl)

Voller Vorfreude näherte sich Lilith der Beute zwischen ihren Laken. Sie ergötzte sich an seiner Willenlosigkeit. Allein sie hatte die Macht mit ihm zu verfahren wie es ihr beliebte. Im Kopf rechnete sie die Wochen zurück, seit sie ihre letzte Mahlzeit genossen hatte. Es musste etwas über einen Monat her sein und lag damit ganz eindeutig schon zu lange zurück! Sie war ausgehungert. Was sie von ihm wollte war nicht etwa sein Blut, sondern seine Lebensenergie, seine Manneskraft, wie man es Ihresgleichen in der Mythologie unterstellte. Dazu musste sie ihn nicht aussaugen, schlichter Körperkontakt würde völlig ausreichend sein. Lilith jedoch war gierig und es gab nichts, was sie mehr liebte als den Geschmack des Blutes ihrer Opfer. Außerdem langweilte sie der Gedanke, sich allein durch Handauflegen zu nähren. Im Geiste sah sie schon jetzt sein verwirrtes Gesicht vor sich, wenn er erwachte und die Wunden an seinem Körper fand. Die Tatsache, dass er sich nicht mehr erinnern konnte mit ihr geschlafen zu haben, würde er vielleicht auf den Alkohol schieben, ebenso wie die Schwäche seiner Glieder. Wobei, er war ein Mann, vielleicht würde er auch glauben er habe eine anstrengende und aufregende Liebesnacht hinter sich. Nun, bis dorthin waren sie leider nicht gemeinsam gelangt. Er hatte vorher schon das Bewusstsein verloren. Sicher, ohne ihr Zutun wäre auch das nicht geschehen. Doch er hatte sie angeödet und sie hatte kein Interesse mehr gehabt weiter mit ihm zu spielen. Sie schmunzelte, als sie sich überlegte, welche Erklärung er sich letztlich für die Bisswunden an seinem Leib zurechtlegen würde.

Sie beugte sich erneut über ihn und schnupperte mit geschärften Sinnen an seinem Leib. Sie konnte noch immer seine Erregung riechen und sie spürte die Wärme seines Blutes, dass unter seiner Haut pulsierte, in ihrem Gesicht. Genussvoll versenkte sie ihre Zähne tief ins weiche, warme Fleisch auf der Innenseite seiner Schenkel. Aus dem Mund des Bewusstlosen drang leise ein protestierendes Keuchen, das sie nicht einmal bemerkte. Sein Blut und seine Lebenskraft strömten, im Rhythmus seines schlagenden Herzens, heiß in ihren Mund. Lilith stöhnte. Das war das wahre Leben. Genau das bedeutete es, ein Raubtier zu sein. Succubus, Nächtliche, Monster. Wenn ihre Nacht begann war sie durch einen unüberwindbaren Graben getrennt von Allen die lebten. Und doch strömte genau dieses Leben Aller eben jetzt aus seiner Wunde in sie hinein. Oh, wie sie diesen Augenblick genoss! Wie sie sein Blut liebte, dass nun durch ihre Adern pulsierte und sie wärmte.!Lilith schmeckte den Alkohol, den er zu sich genommen hatte, doch sie störte sich nicht daran. Sie würde höchstens eine Weile berauscht sein und das war ihr sehr willkommen. Dies war ihre einzige Möglichkeit in den Genuss dieses all zu menschlichen Zustandes zu kommen. Lilith selber trank und aß nicht. Manchmal tat sie so als ob und Vieles schmeckte ihr sogar. Aber ihr Körper konnte normale Nahrung nicht verarbeiten und sie schied alles was sie aß so wieder aus, wie sie es zu sich genommen hatte. Stoffe, die in menschlichem Blut gelöst waren, bildeten die einzige Ausnahme.

Ihr war offensichtlich entgangen wie hungrig sie tatsächlich gewesen war. Und so trank sie von ihm und trank und trank, bis ihr Magen voll war und selbst dann hörte sie noch nicht auf. Bis die Quelle ihres Genusses zu versiegen drohte und das stetige Schlagen seines Herzens, das sie mit ihrer Zunge an der Ader erspürte, langsamer wurde. Erst als sein Herz aussetzte und dann unregelmäßig weiterschlug war Lilith klar, was sie gerade im Begriff war zu tun. Mühsam riss sie sich von ihm los und sprang auf die Beine. Alles drehte sich. Sie hatte sich übernommen. Ein dünnes Rinnsal Blut floss über seine Schenkel in ihre helle Bettwäsche. Lilith wurde schlecht. Sie eilte ins Bad und übergab sich in die Toilette. Schwarzes Blut füllte das Keramikbecken und ihr schlug der typische, metallisch-süße Geruch entgegen. Schwankend eilte sie zurück in ihr Schlafzimmer, wo der Fremde ihr Bett beschmutzte nicht nur mit Blut beschmutzte. Sie nahm sich zusammen und leckte über die Risse in seiner Haut, aus denen sein Lebenssaft nur noch langsam tröpfelte. Sofort versiegte auch dieser letzte Blutfluss. Der Speichel eines Succubus hatte vielleicht keine heilenden Kräfte, doch er sorgte dafür, dass die Wundränder sich augenblicklich schlossen als wären sie miteinander verklebt worden.

Lilith fühlte nach seinem Puls und erschrak darüber, dass sich seine Haut schon kühl und feucht anfühlte. Still verfluchte sie ihre Unbeherrschtheit. Der Mann würde sterben, es war nur noch eine Frage der Zeit. Entgegen landläufiger Behauptungen entsprach es nicht der üblichen Vorgehensweise eines Succubus, sein Opfer zu töten. Wozu auch? Wenn man eine Quelle erst erschlossen hatte war es günstig hin und wieder zu ihr zurückzukehren. Besonders angenehm war es, diese „Futterstellen“ dann dazu zu bringen sich mit Drogen oder Alkohol zu betäuben und so hin und wieder einen Rausch aus erster Hand zu erleben. Darüber hinaus war ein Mensch zwar ein amüsantes Spielzeug, aber es war nicht so, dass ihr ein menschliches Leben gar nichts bedeutete. Sie hatte leider eine Seele und ein Gewissen, welches sie schon jetzt plagte. Sie bedauerte seinen bevorstehenden Tod zumindest ein bisschen. Mal abgesehen von den Unannehmlichkeiten, die nun auf sie zukamen. Wohin mit der Leiche? In einer Mitteleuropäischen Stadt verschwand ein Mensch nicht einfach so von der Bildfläche, ohne das es jemandem auffiel. Und Tote wurden meist doch irgendwann gefunden. Sie musste sich seiner entledigen, solange er noch lebte. Lilith hatte bereits eine Idee wie sie dies anstellen würde, doch sie wusste auch, dass sie sich beeilen musste. Sein Atem wurde flach und langsam und der Succubus war sich im Klaren, dass er diesen Mann bereits getötet hatte.

Sie holte eine Bierflasche aus der Küche, kleidete den Fremden namens Robert an und hob ihn vom Bett auf, dann nahm sie den üblichen Ausgang durch das Fenster und machte sich eilends auf dem Weg zum nahegelegenen Fluss. Mit übermenschlicher Geschwindigkeit eilte sie einige Kilometer flussaufwärts, wobei sie sich zwischen den Büschen und sonstigem Gestrüpp direkt am Flussufer verbarg, um nicht entdeckt zu werden. Als sie glaubte weit genug von ihrer Wohnung entfernt zu sein legte sie ihr Opfer ab und machte sich an ihr blutiges Werk. An einem Stein, der direkt an der Wasserlinie lag schlug sie den Boden der Flasche ab, so dass sich ein gezackter Rand ergab. Ohne zu zögern zerschnitt sie ihm die rechte Hand mit dem scharfkantigen Glas und rammte ihm daraufhin die Flasche in den Oberschenkel. Genau dorthin, wo sie ihn gebissen hatte. Sie wollte, dass es aussah als sei er in eine zerbrochene Flasche gestürzt und dann in den Fluss gefallen, wo er verblutete und ertrank zugleich. Auf ihrem Gesicht zeichnete sich keinerlei Bedauern ab, als sie den Kopf des Sterbenden unter Wasser drückte und darauf wartete, dass er einatmete. Sie wollte, dass sich seine Lungen mit Wasser füllten, damit er nicht mit luftgefüllter Brust an der Oberfläche treiben würde. Schließlich nahm sie ihn noch einmal die Arme, doch nur um ihn weit von sich in den Fluss zu schleudern.

Sie wusste schon jetzt, wo der Mann gefunden werden würde, nämlich an eine Schleuse etwa 10 Kilometer unterhalb ihrer Stadt. Spätestens dort tauchten sie alle wieder auf, die Selbstmörder, die Opfer und die Ungeschickten. Lilith hoffte lediglich, dass es eine ganze Weile dauern und der Fluss alle Spuren von seinem Leib waschen würde, die ihn mit ihr in Verbindung bringen konnten.

I can feel the night beginning (IX: Eva)

(Some warning first: Bisher ging ich davon aus, dass die Leser meines Blogs durchweg Erwachsene sind und da ich das weiterhin tue ist das Folgende für alle Leser geeignet. Sagen wir: In sexueller Hinsicht ist mir in diesem Kapitel a bisserl die Feder ausgerutscht. Aber echt nur a weng. Wenn ihr mir verzeiht kann ich mir auch verzeihen 😉 Enjoy!)

Unentschlossen stand Josua vor dem Mietshaus in dem Rose lebte. Stundenlang hatte er nach seinem Handy gesucht, war erfolglos sämtliche Wege der vergangenen Nacht abgelaufen. Es war nicht so, dass er für irgendwelche Freunde erreichbar sein musste. Aber sein Handy war seine Möglichkeit Kontakt zu seinem großen Bruder Simon aufzunehmen. Simon war der einzige Mensch, der ihm etwas bedeutete und zugleich der zerbrechlichste den er kannte. Seufzend nahm er sich zusammen und drückte die Eingangstür auf.  Er hatte keine Idee mehr, in welchem Stockwerk Rose wohnte, also musste er sämtliche Klingelschilder studieren. Im Erdgeschoss war eine Arztpraxis „Dr. Rosensteuz“. Der Jäger schmunzelte. Im ersten Stock fand er hauptsächlich ausländisch klingende Namen: Sema Kaya (1 x klingeln), Irina Krylow (2 x klingeln), Pavel Beljajew (3 x klingeln). Herrje, das musste ja Spaß machen in so einer Wohngemeinschaft zu leben. Glücklicherweise fand er schon im 2. Stock Rose Weiß (2xmal klingeln). Josua klingelte viermal, ehe ihm die Tür geöffnet wurde.

„Ja?“ Vor ihm stand die Frau seiner Träume. Natürlich war sie nicht Rose. Etwa Mitte 20, die unglaublichsten Grübchen aller Zeiten, leicht gebräunt, schlank aber kurvig und exakt einen Kopf kleiner als er, genauso hatte er sie sich erträumt. Josua sah in ihre strahlenden, blauen Augen und ihm wurde schwindelig.

„Ich – ähm, ist Rose da?“

Sie lächelte und schüttelte entschuldigend den Kopf. Ihr Lächeln raubte ihm den Atem.

„Aber Rose wird gleich wieder da sein, sie wollte nur kurz bei ‚ErnteGut‘ was einkaufen. Magst du so lange rein kommen?“

„Eigentlich wollte ich sie nur fragen, ob sie versehentlich mein Handy eingesteckt hat.“

Sie machte eine auffordernde Bewegung in Richtung des Wohnungsflurs:“Na dann rein mit dir, kannst sie gleich selber fragen.“ Einen Moment lang starrte der Jäger hypnotisiert auf die dicke Strähne goldenen Haares, die bei jeder Bewegung über ihr Dekolleté zu fließen schien.

„Ah, äh ja, dann warte ich vielleicht besser auf sie.“ Unsicher trat er über die Schwelle, in den Flur, der einige Zentimeter tiefer lag, als das Treppenhaus und wünschte sich einfach nur, er möge nicht stolpern.

Als sie vor ihm in die Küche der kleinen WG ging konnte er den Blick unmöglich von ihrem Hintern abwenden, der von einer hautengen Jeans verlockend in Form gebracht wurde. Unter einer Pobacke war ein breiter Riss im Stoff und er konnte die nackte Haut darunter sehen. Das langärmlige Top, dass sie darüber trug war ihm eben, als sie ihn an der Tür begrüßt hatte, hochgeschlossen und beinahe bieder erschienen, doch nun konnte er sehen, dass es am Rücken fast bis zum Hosenbund ausgeschnitten war. Josuas Mund wurde trocken.

„Kaffee oder lieber Wasser?“, fragte sie über die Schulter.

Mit einem leichten Kopfschütteln riss der Jäger seinen Blick von ihrem Hintern und versuchte zu erraten, was sie ihn gerade gefragt hatte.

„Josua“, meinte er selbstbewusst, sicher dass jetzt der Zeitpunkt gekommen war wo sie sich einander vorstellen würden.

Sie kicherte geradezu entzückend und lehnte sich an die Arbeitsfläche. „Und ich bin Eva. Freut mich, dich kennenzulernen Josua.“ Erfreut nahm er wahr, dass sie seinen Namen richtig aussprach. Josua, wie Jesus, war ja auch nicht so schwer, oder?

„Möchtest du lieber was Kaltes oder Warmes trinken?“, fragte sie erneut.

Nun musste er sich tatsächlich Räuspern: „Wasser reicht, danke.“ Unsicher zog er sich einen Stuhl heran und setzte sich an den Holztisch. Sein Blick fiel auf die Tischplatte und sein Telefon.

„Hey, da ist es ja. Das ist mein Handy!“ Bedauern mischte sich in seine Stimme, als er hinzufügte: „Dann geh ich jetzt besser wieder.“

Sie sah ihn nachdenklich an und legte den Zeigefinger an die Unterlippe. „Das wäre schade, ich hatte noch gar keine Gelegenheit mich richtig vorzustellen.“

Lasziv beugte sie sich zum Kühlschrank herab, der auf dem Boden in der Ecke stand, wobei sie ihm ihren saftigen Arsch entgegenstreckte und fischte betont langsam eine Flasche Mineralwasser heraus. Josua schluckte. „Was meinst du mit vorstellen?“

Sie lächelte lüstern, schraubte die Flasche auf und nahm einen tiefen Schluck, wobei ihr wie zufällig etwas Wasser aus dem Mund und über ihr Kinn lief.

„Ups“, sie blickte ihm tief in die Augen, während sie sich mit der Hand den Mund abwischte und dann mit einem Finger die Linie ihrer vollen Lippen nachzog.

Summend griff sie sich ein Glas aus dem offenen Regal und goss ihm etwas aus der Flasche ein. Jetzt wurde Josua wirklich schwindelig. Er wollte diese Frau. Jetzt sofort, seinetwegen hier auf dem Tisch. Ihr raues Summen rief bei ihm eine Gänsehaut hervor, die jedes Haar an seinem Körper aufstellte. Und seine Körperhaare waren nicht das einzige, was stand.

„Eva…“, brachte er mühsam hervor, griff nach ihrem Arm und zog sie zu sich auf den Schoß. Sie kicherte kehlig und summte dann weiter ihre betörende Melodie. Sie saß nun seitlich auf ihm. Es war ein leichtes für sie, den Kopf ein wenig zu drehen und schon sah sie ihm tief in die Augen. Er verlor sich im hellen Glanz ihrer blauen Augen.

„Josua“, sang sie leise, während ihr Gesicht immer näher kam, ihr warmer Atem ihn streifte und er schließlich ihren heißen, trockenen Mund auf seinem spürte. Willig öffnete er die Lippen und tastete mit seiner Zunge nach der ihren. Doch sie entzog sich ihm gleich wieder.

„Nicht so schnell, mein tapferer, tapferer Jäger“, sang sie, glitt von seinem Schoß und zog ihn an beiden Händen auf die Füße, „folge mir!“

Sie ging voraus und er folgte ihr. Sie wollte es so. Sein Blick hing auf ihren wiegenden Hüften und erfreute sich am Anblick der Grübchen über ihrem Steißbein. Ihm wurde heiß. Wann hatte sie ihr Oberteil ausgezogen? Sie betraten ihr Zimmer, wo sie sich zu ihm umdrehte, ihn lüstern anlächelte. Unfähig sich zu bewegen starrte Josua auf ihre perfekten Brüste, bis sie eine einladende Bewegung zum Bett hin machte.

„Entspann dich“, forderte sie ihn auf und er, der genau wusste, was sie sich von ihm wünschte, ging zum Bett und legte sich auf den Rücken. Josuas Atem ging schwer und stoßweise. Irgendetwas war hier nicht richtig. Er war so erregt, dass er sich am liebsten sofort alle Kleider vom Leib gerissen hätte. Doch da war noch etwas anderes, eine andere Art von Erregung, die sein Herz schneller schlagen ließ. Das fühlte sich fast an wie….Furcht! Was war nur los mit ihm? Hier stand sie, vor ihm, die Frau seiner Träume. Inzwischen war sie nackt und er konnte sehen, dass sie makellos war. Makellos und glattrasiert, bis auf diesen einen verwegenen Streifen Haar. Er war im Himmel und gleichzeitig war ihm Angst und bang. Lächelnd kam sie näher und dieses Lächeln wurde immer breiter, bis es ihm wie ein höhnisches Grinsen vorkam. Sein Puls raste und sein Glied schmerzte, weil die verdammte Hose inzwischen viel zu eng geworden war.

Eva beugte sich über ihn und ihr Summen nahm eine andere Tonlage an, wurde zu einer Art Schnurren. Sie öffnete seine Hose und zog sie herunter, während sie ihn mit dem hungrigen Blick ihrer blauen Augen gefangen hielt. Als sie es schließlich geschafft hatte sich auch seiner Unterhose zu entledigen wurde dem Jäger endlich klar, was gerade mit ihm geschah. Krampfhaft versuchte er Luft zu holen und sich ein Stück aufzurichten. Sein Blick wanderte angstvoll durch das fremde Zimmer, bis er fand was er suchte.

Lächelnd leckte sich der Succubus über die Lippen, nahm seinen Schwanz in die Hand und umschloss die Spitze mit dem Mund. Josua atmete scharf ein und versuchte sich zusammenzureißen. Er musste sich jetzt beherrschen. Er wollte sich räuspern, um seine Stimme wiederzufinden doch stattdessen entrang sich ihm ein tiefes Stöhnen.

„Lass uns das ihm Stehen machen“, ächzte er.

Sie ließ einen Augenblick von ihm ab und die Enttäuschung darüber erschreckte den Jäger zutiefst. „Weshalb mein Schöner?“

„Ich will uns beide dabei im Spiegel sehen!“