Wenn ich mal groß bin werde ich…

ja was eigentlich?

Jetzt bin ich es ja, groß meine ich. Zumindest dem Alter nach. Und etwas geworden bin ich auch. Ich bin Sekretärin und Single und ähm, wenn man das so sagen darf, sowas wie ein „Geek“.

Was ich nicht geworden bin ist „cool“.

Ich war auch niemals „cool“. Dass ich nie eine von denen sein würde, die „in“ von „out“ unterscheiden können, das war mir schon mit 12 klar. Also entschied ich mich dagegen.

Damals zelebrierten meine Freunde und ich unser Anderssein. Wir waren anders, als die coolen Kids. Aber wir hatten dabei auch viel mehr Spaß. Wir liefen mit Verkleidungen durch das Dorf, gaben unseren Fahrrädern Namen und flogen mit ihnen durch das Universum, wir kletterten auf Bäume und scherten uns nicht um zerrissene Hosen. Wir sprangen in Straßengraben, wenn Autos vorbeifuhren, wir spielten mit unseren kleinen Geschwistern auf dem Spielplatz, wir brauchten keine „Mc Neill“ Rucksäcke.

Wir wussten, wo wir hingehörten.

Mit 14 spielte ich noch mit Barbie Puppen und Playmobil und ich stand dazu. Barbie lebte meistens in einem verwunschenen Schloss und musste mit ihren Freundinnen gegen fiese Ungeheuer kämpfen oder ihren Prinzen aus dem Kerker des bösen Magiers retten.

Beim Playmobil gewannen meistens die Indianer den Kampf gegen die bösen Cowboys, wenn es sein musste auch mit Hilfe von Drachen oder Riesen.

Zwei Dinge waren damals so klar, wie die Sonne am Himmel eines wolkenlosen Tages:

Wir wussten, wer wir sind.

Wir wussten, wer wir nicht sind.

Was ich nie so genau wusste, war wer oder was ich eigentlich werden wollte. Ich wollte immer am liebsten in einem Fantasy-Roman leben und ein Held sein. Da das nicht ging entschied ich, ich würde mal Autorin werden. Ich würde berühmte Romane schreiben. Ich würde Geschichten erfinden, die andere so in den Bann zögen, wie es die Geschichten meiner Lieblingsautoren mit mir taten.

Ich würde so gut werden, dass ich mit dem Schreiben mein Geld verdienen könnte.

Naja, ehrlich gesagt wusste ich auch mit 12 schon, dass ich einen Alternativplan brauchen würde, da dieser hier wahrscheinlich nicht so einfach umzusetzen wäre.

Abgesehen vom Schreiben hatte ich auch nie wirklich große Pläne. Ich wollte nur nie so leben wie meine Eltern es taten. Ich hatte immer das Gefühl, sie seien nicht glücklich…immer am finanziellen Limit, egal wie viel sie arbeiteten, 5 Kinder, die ihnen ziemlich viel abverlangten und eine Ehe, von der jeder wusste, dass sie gescheitert war. (Meine Eltern gaben beinahe 20 Jahre lang vor, nichts vom Scheitern ihrer Ehe zu wissen und das belastet unser aller Leben teilweise noch heute.)

Glücklich wollte ich sein. Und ich selbst.

Ich hab geglaubt, der Rest kommt irgendwie schon von alleine.

Jetzt bin ich hier, Sekretärin und sowas wie ein „Geek“. Ich bin ich selbst, aber irgendwie macht mich das heute nicht mehr so stolz wie damals.

Ich merke ich suche noch immer. Und ich dachte die ganze Zeit das Suchen sei der Weg und das Ankommen das Ziel. Mit fast 30 sollte man dann auch mal irgendwo angekommen sein, redete ich mir ein.

Alles Quatsch. Das Suchen ist der Weg und der Ziel. Das Suchen ist mein Leben.

Natürlich komme ich immer wieder irgendwo an. Komme zur Ruhe und fühle, dass alles richtig ist.

Es gibt sie, diese Zeiten wo alles ruht. Ich fühle mich wie ein Vogel, der inmitten eines endlosen, bewegten Ozeans eine kleine Insel gefunden hat. Der Weltschmerz und die Sehnsucht schweigen und die Sonne scheint ihm aufs Gefieder.

Doch die Welt steht nicht still. Alles verändert sich, immer und ständig. Wir uns auch. Und so sind diese Stationen nichts, als vergängliche Momente.

Die Ruhe dauert meistens nicht lange an, bevor wieder alles in Bewegung gerät und sich neu formt. Und so muss ich dann auch weiterziehen, mich neu entdecken, bis ich wieder meinen Platz finde.

Ich bin nicht zufrieden als Sekretärin. Diesmal war es nicht meine kleine Insel, die unter mir weggerutscht ist. Diesmal war es der Wind, der wieder zu wehen begann. Weltschmerz und Sehnsucht wurden angefacht wie kleine Feuer in meinem Herzen und ich merke ich muss weiterziehen.

Nach vorne, nach vorne.

Nur wohin, dass weiß ich nicht genau.

Und ich habe Angst, denn ich weiß nicht was kommt.

Aber ich habe auch Hoffnung, denn bisher fand ich immer wieder neue, spannende und wunderschöne Inseln der Ruhe.

Ich bin gespannt, wohin Flügel und Wind mich diesmal tragen.

Ich glaube jetzt, wo ich groß bin, werde ich mir den Luxus erlauben mich immer mal wieder neu zu erfinden.

Wenn ich groß bin werde ich alles mögliche sein!

Jeder lügt

und wenn es aus Freundlichkeit ist oder aus Rücksicht…alle Menschen lügen. Und wenn man einen beim Lügen erwischt, dann tut das manchmal ganz schön weh.

Ich hab eine Freundin, sie ist aktiv und schlank, ein ausgeglichener, fröhlicher Mensch.

Ich bin nicht schlank. Ich bin auch nicht fett, aber ich habe einen guten Batzen Übergewicht auf den Rippen. In BMI bin ich eine 29. Aber ich bin ein aktiver, lebenslustiger Mensch. (ausgeglichen bin ich nicht, aber das ist ja wieder ein anderes Thema 🙂 )

Persönlich finde ich Menschen mit Übergewicht nicht unattraktiv. Ich finde es gibt mindestens ebenso viele attraktive, füllige Menschen, wie es attraktive schlanke Menschen gibt. Nur mich selbst…mich selbst mag ich mit meinen Kilos nicht so recht leiden.

Warum das so ist? Inneres Ungleichgewicht, äußerer Druck.

Ich hasse es Kleidung zu kaufen, weil ich jedes Mal mit einer armseligen Ausbeute aus dem Laden trete und mich fühle, als wäre ich beim Anprobieren zum Elefant geworden. Ich hasse die Schaufensterpuppen, die überall herumstehen und mir suggerieren, was ich für eine Figur haben müsste, damit die Kleidung auch an mir gut aussieht.

Gut, also kann ich mich selbst nicht akzeptieren. Aber ich kann damit leben, hatte ja nun schon lange genug Zeit, mich daran zu gewöhnen. Und ich glaube auch, dass ich mich ein bisschen gebessert habe in den letzten Jahren.

Was mir immer geholfen hat war das sichere Gefühl, dass mich meine Freunde so akzeptieren wie ich bin. Sie haben mich ja so kennengelernt. Ich sah noch nie anders aus.

Heute erzähle ich also besagter Freundin vom traurigen Schicksal einer Bekannten: Sie wollte eine Ausbildung auf irgendeiner Beamtenlaufbahn machen, doch sie scheiterte an einem Gesundheitstest. Die genauen Hintergründe hierzu kenne ich auch nicht. Doch die Bekannte meinte, sie sein nur wenige, also 2-3 Kilo zu schwer. Ihr macht das ganz schön zu schaffen, zumal sie für den Gesundheitstest ganz schön abgespeckt hat.

Die Reaktion der Freundin: Sie verstehe diese Vorgaben aber, immerhin müsse der Staat ja, nach der Verbeamtung, lebenslang für diese Menschen aufkommen. Und Übergewichtige seien nun mal anfälliger für bestimmte Erkrankungen.

Stimmt, meinte ich, Menschen mit starkem Übergewicht. Bei Menschen mit leichtem Übergewicht widersprechen sich die Studien aber sogar. Manche Studien behaupten, es hat keinen negativen Einfluss auf die Lebenserwartung, andere kommen zu dem Ergebnis es hat einen negativen Einfluss, dritte Studien weisen sogar nach, dass Menschen mit leichtem Übergewicht eine leicht erhöhte Lebenserwartung haben.

Letztlich kommt es wohl darauf an, ob man aktiv ist, Sport treibt und sich gesund ernährt.

Das habe ich ihr also erklärt.

Ja meinte sie, trotzdem bekommst du aber doch Probleme durch dein Gewicht.

Also waren wir nun bei mir angekommen.

Wieso, meine ich, mir geht es gut. Ich bin gesund, ich hab eine ganz normale Ausdauer und mein Blutdruck ist perfekt. (Ich bin fast 30 und sowohl meine Mutter, als auch meine Großmutter haben Probleme mit Bluthochdruck.)

Naja, meint sie, vielleicht hast du die Probleme jetzt noch nicht, aber du bekommst sie bestimmt. Deine Knie werden zum Beispiel schmerzen, weil sie immer mehr Gewicht tragen müssen.

An diesem Punkt wurde ich langsam ein wenig ungeduldig: Häh? Ich wiege doch keine hundert Kilo?

Nun, letztlich weiß ich, was die Freundin wirklich denkt: Sie ist der Meinung, mit 15 Kilo Übergewicht sei ich weniger leistungsfähig als sie. Ins Gesicht gesagt hätte sie mir sowas nie. Im Gegenteil. wenn ich mich negativ über meinen Körper geäußert habe kam ihre Reaktion immer schnell: Ich solle nicht so dumm daherreden, ich sei doch ganz normal.

Achso ja, richtig. Nur werde ich leider jung und humpelnd sterben.

Ich hatte gute Lust ihr zu sagen, dass sie, als Raucherin, die die Pille nimmt wahrscheinlich viel früher Probleme mit ihren Gefäßen bekommt und dass das Solarium das Hautkrebsrisiko erhöhen kann. Ich hab es nicht getan, ich schätze diese Freundin wirklich sehr.

PS: Das Thema „Beamtenlaufbahn“ habe ich nicht recherchiert, wenn jemand etwas dazu weiß, darf er mich gerne aufklären.

Freitags-Füller #157

1. Das Leben ist nicht wie eine Pralinenschachtel. Dann könnte man sich ja die guten Erlebnisse rauspicken und die schlechten verschenken oder wegwerfen. In so ner Pralinenpackung ist nämlich normalerweise eine lustige bebilderte Liste, auf der man sehen kann, nach was die kleine Köstlichkeit wirklich schmeckt.

Und ich hab noch nie ne Pralinenauswahl gesehen, in der sowas wie „Stinkender Fischkopf“ als Geschmacksrichtung war. Im Leben passieren einem aber Dinge, die stinken, dass einem schlecht davon wird!

Das Leben ist eher ein großes buntes Wirrwar. Man weiß nie, was als nächstes passiert. 

Und es ist toll…was wäre das denn für ein Zustand, wenn uns niemals etwas überraschen würde? 

2.  Bärlauch schmeckt für mich wie Frühling. Ich hab schon die ersten grünen Spitzchen gesehen, an meinem Stammplatz ganz in der Nähe. In 1-2 Wochen gibt es BÄRLAUCHPESTO! Jucheee!

3.  Meine Osterdeko…äh wie…ist denn jetzt schon Ostern? Deko…gibts nicht. Ich fahr einfach über die Feiertage weg. 

4.  Das neue Buch von George R.R. Martin, wird es jemals fertig werden? Ich halte es nicht mehr aus….wann kommt die Fortsetzung zu „A Song of Ice and Fire“? Warum tust du uns das an George R.R. Martin, warum? 

5. Ich könnte jetzt gerade einen großen Kaffee mit Milchschaum gebrauchen. Leider ist die Milch aus. Und Kaffee mit Kondensmilch ist nicht das Gleiche.

6. Das Buch, das ich gerade lese ist immer an meiner Seite.

Ich habe wirklich immer ein Buch in meiner Tasche. Ob ich es nun brauche oder nicht: Es beruhigt mich einfach ein Buch dabei zu haben.

Der Verkehr bricht zusammen und ich stehe 3 Stunden im Stau? Egal, ich hab was zum Lesen dabei. 

Keiner will sich mit mir unterhalten? Egal, ich hab was zum Lesen dabei.

Die Zombieapokalypse beginnt und ich muss mich in einem Keller verschanzen? Egal, soll die Welt untergehen, ich hab was zum Lesen dabei. 

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf endlich mal wieder Rollenspiel , morgen habe ich geplant mir beim Pagan-Fest metal-mäßig das Hirn aus den Ohren blasen zu lassen und Sonntag möchte ich mal wieder zum Poetry-Slam! Das letzte Mal ist schon viel zu lange her.

Ahso, vielen Dank wie immer an Barbara!