Disconnect…

In den letzen beiden Wochen hab ich irgendwie mal wieder die Verbindung verloren. Zu mir selbst, zu der Welt um mich herum. Orientierungslos und blank in Kopf und Herzen trieb ich durch die Tage, nicht wissend wie ich wieder in Kontakt treten könnte.

Das klingt jetzt, als sei ich alleine gewesen die ganze Zeit, aber das stimmt nicht. Ich betrieb Smalltalk und ernste Gespräche, trank Bier mit Freunden, sah Filme mit Freunden… Und irgendwie hat mich das alles gar nicht berührt.

Am Samstag hätte ich mit Kollegen in die Disco gehen können. Und ich wollte, war fest entschlossen. Doch irgendwie ging es nicht. Ich war nicht in der Stimmung. Aber gefragt, wie es mir denn ginge konnte ich nur „Gut“ antworten. Denn eigentlich ging es mir ja gut. Oder nicht? Ich wusste es nicht. Wusste nicht, was ich fühle. Weiß es ehrlich gesagt jetzt noch immer nicht. Aber ich spüre ich bin dabei die Verbindung wieder herzustellen. Vermutlich hat sich die Welt mal wieder zu schnell gedreht.

Ich verarbeite das, was um mich herum geschieht so schrecklich langsam. Ich reagiere, aber ich handle nicht. Und dann steige ich aus. Drücke die „Pause“ Taste und bin mal eben nicht da. Das spüren die Menschen, meine emotionale und gedankliche Distanziertheit. Man fragt mich dann ständig wie es mir geht.

Und ich will die Wahrheit sagen und sage dann doch nur „Gut“ . Denn wie soll ich „Ich weiß nicht“ erklären? Wie soll ich erklären, dass ich nicht weiß, ob ich zu viel spüre oder gar nix. Ob ich überwältigt bin von Glück, ob ich alleine sein will oder in Gesellschaft, ob ich Einsamkeit brauche oder die Einsamkeit mir gerade weh tut, ob ich traurig bin und woher dieser Funke Wut kommt, der in mir brennt und gegen wen der Zorn sich eigentlich richtet.

Wenn ich es nicht weiß sage ich „Gut“ oder „ich bin müde“. Das ist beides nicht die Wahrheit…aber man lässt mich in Ruhe und ich kann versuchen mich zu sortieren, bis das Leben wieder einen Sinn ergibt und die Fragmente sich zu einem Bild zusammenfügen.

Manchmal, ganz selten bekommt man einen brauchbaren Tipp das Leben betreffend aus einer amerikanischen Serie. Ich verrate nicht wo, aber in einer solchen Serie tanzen die Hauptfiguren sich ihren Frust von der Seele. In Pyjamas, in den eigenen vier Wänden mit lauter Musik und albernem Rumgehampel. Und genau das tat ich dann heute auch eineinhalb Stunden lang. Das war so verdammt gut! Es war sehr, sehr laut und ich sah wahrscheinlich sehr, sehr dämlich aus, schwitzend in meinem alten T-Shirt und Unterwäsche.
Langsam, langsam spüre ich mich wieder und was ich fühle ist nicht unbedingt gut, aber das bin ich. Wütend und traurig darüber, dass ich es mir selbst immer wieder so schwer mache. Die Wut, der Frust richten sich gegen mich selbst. Und gleichzeitig weiß ich doch, dass ich nicht „Schuld“ bin. Doch niemand sonst ist da, den ich zur Verantwortung ziehen kann.

Während ich all dies niederschreibe sortieren sich meine Gedanken und mein innerer Blick klärt sich. Das ist gut, Erleichterung tritt ein und die Gewissheit, dass die nächste Woche besser wird, als dieses Wochenende. Und vielleicht kann ich dann auch wieder die Mauer meiner Distanziertheit durchbrechen und die Menschen um mich herum wieder an mich heranlassen. Den Einsamkeit hilft beim Klären, tut aber verdammt nochmal weh!

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…und neue Gedanken

Neulich auf einer Party.

Sportlerabschlusfeier wars.  Und die kleine Nyx kam mit leuchtenden Backen und schmutzigen Gedanken dort an:

Sport-ler-Party!

„Alles klar, wenn es da keine knackigen jungen Männer nach meinem Geschmack gibt nennt mich in Zukunft Hans…“

Nein, ich muss meinen Blog nicht umtaufen. Aber das Leben wäre nicht „Das Leben“ (starring Nyx), wenn nicht alles anders käme als geplant.

Und so stand ich am Ende betrunken unten in der Mensa, (da wo abgesperrt war, damit nicht betrunkene Gäste sich zwischen Stellwänden herumtrieben  und im Gebäude rauchten) trieb mich rauchen zwischen den Stellwänden herum und führte das beste, intensivste Gespräch seit mindestens einem halben Jahr. Und das nicht etwa mit einem knackigen Sportstudenten, von denen ich solche geistigen Höchstleistungen auch nicht erwartet hätte. (Bitte entschuldigt das böse Klischee, aber es ist das was ich dachte 😉 )

Und auch wenn ich tatsächlich ein paar mal über meine schwere Zunge stolperte und nicht mehr in der Lage war meine Gedanken grammatikalisch ansprechend zu verpacken: Mein Gegenüber war in besserem Zustand.

Ein Gedanke blieb und liegt seitdem, wie ein schöner Stein, den man bei einem Strandspaziergang sammelt, mit beruhigendem Gewicht in meiner Hosentasche. Ab und zu hole ich ihn heraus, betrachte ihn von allen Seiten und spüre erfreut, wie er sich bei meiner Berührung erwärmt.

Es ging um das gleiche Thema wie beim vorherigen Post. Verlorene Freundschaften und das Gefühl missverstanden zu werden. Ich sagte etwas, dass ich bisher gehütet hatte wie ein peinliches Geheimnis:

„Eigentlich will ich diese Traurigkeit gar nicht ganz loswerden. Sie ist ein Teil von mir solange ich denken kann. Und sie hat ja auch ihre Berechtigung…(ich stockte)…und naja, irgendwie ist es ja auch was Schönes….manchmal.“

Er meinte: „Natürlich ist diese Traurigkeit etwas schönes. Sogar wunderschön! Du darfst nur einen Fehler nicht machen: Sie mit anderen teilen. Sie ist deine Traurigkeit. Erwarte nicht von anderen, dass sie sie verstehen.“

Er hat recht. Das war der eine Gedanke, der mir noch fehlte. Nun kann ich versuchen das kleine Mädchen an die Hand zu nehmen. Es ist gut und schön, dass es sie gibt. Und sie gehört nur zu mir!