Autsch und ohweh

Damit ihr nicht auf die Idee kommt, ich würde mich jetzt sang- und klanglos wieder vom Acker machen folgt hier eine kleine und überflüssige Wortmeldung.

Diese Woche beginnt die Uni wieder, also hocke ich seit Tagen vor dem PC und versuche bneötigte Seminare zu ergattern.

Der Terror muss diese Woche zum 2. Impfen und mein Vater, der mich zum TA fahren wollte, hat mich gnadenlos versetzt. Mal sehen, ob es morgen vielleicht mal klappt. Ich MÖCHTE ja Vertrauen.

Ich hab mir beim Schreiben der letzten Hausarbeit oder beim Sex mit dem Ex den Nacken verklemmt und bin gerade dabei mich an den permanenten Schmerz zu gewöhnen.

Meine Haare machen Blödsinn und sind überhaupt nicht mehr so toll, wie am Anfang meiner No-Poo Versuche. Heute im Seminar hab ich mich fast ein bisschen geschämt. Die weitere Taktik steht noch nicht fest, aber ich gebe nicht auf. Bald folgen auch wieder Fotos.

Hier ein Bild von einer Katze, die ihre Prioritäten kennt. Ich hab gehört Bilder lockern so einen Text auf.

My Snapshot70

Nyx is nun offline. Ich muss meine müden alten Knochen mit Salbe einreiben und mal früher ins Bett.

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Ey Schlampe, der Dreck muss weg!

Ja, es ist wahr: Ich bin eine dreckige, kleine Schlampe.
Wobei…so klein bin ich ja gar nicht. Guter Durchschnitt für eine Frau meiner Generation würde ich sagen.
Aber eine Schlampe, das bin ich.

Viele, viele Diskussionen hatte ich schon als Minderjährige mit meinem Vater: „Du bis eine Schlampe, genau wie deine Mutter.“ Das sagte er zum kleinen, 14jährigen Ich. Und damals war ich wirklich noch klein. Innerlich und äußerlich.
„Ich bin keine Schlampe“, erwiderte ich,“ich räum nur nicht auf. Eine Schlampe ist was Anderes!“

In Zeiten von Guugel kann man den Wahrheitsgehalt beider Aussagen natürlich bestätigen:

Schlampe im heutigen Deutsch hat zwei abwertende Bedeutungen. Es ist in der ursprünglicheren Bedeutung eine Bezeichnung für eine in tadelnswerter Weise unordentliche oder nachlässige Person. Schlampe ist weiterhin ein Schimpfwort für freizügig lebende oder promiske Frauen, wobei hierdurch implizit auch ein unehrenhafter Charakter unterstellt wird.

Heute weiß ich, er hat nicht etwa aus Unwissen den so zweideutigen Begriff verwendet. Er wollte mich verletzen, um meine Mutter zu verletzen. Und er wollte mich verletzen, weil wir schon damals beide etwas wussten, was uns großen Schmerz bereitete: Ich bin stärker als er und ich bin klüger als er.

Mir tat es weh, weil er anscheinend keinen Stolz für seine einzige Tochter empfinden konnte. Ihm tat es weh, weil er so stolz auf seine einzige Tochter war und glaubte, ich würde ihn verachten. Verachtet habe ich meinen Vater erst viel später. Damals habe ich nur versucht ihn zu lieben. Oder, wenn ich mal wieder einsehen musste, dass er das einfach unmöglich machte, versucht ihn zu hassen. Beides gelang mir zum Teil.

Was ich mitgenommen habe, und bis jetzt nicht aus meinem Leben herausrationalisieren konnte, war das Chaos. Chaos in Kopf, Herz, Leben und Wohnung. Ich bin noch immer eine Schlampe. Gedankenschlampe, Chaoskind. Das äußere Chaos, soviel weiß ich schon lange, spiegelt nur das innere Chaos wieder. Wenn ich Sachen wegräume habe ich immer Angst, dass ich sie nicht wiederfinde. Mit Gedanken und Gefühlen geht es mir da ganz genauso. Also verstreue ich alles auf dem Boden meines Zimmers, wo ich es sehen kann.

Doch jetzt habe ich mir mal wieder einen Ruck gegeben. Im Moment kann ich alles schaffen, was ich mir vornehme. (Das liegt an der unsichtbaren Krone, die ich trage und die ich nur zum Schlafen absetze.) Und ich habe aufgeräumt und Staub gesaugt. Und ich habe einen großen blauen Sack genommen und alles hineingestopft, was ich nicht mehr brauche. Seitdem habe ich diesen Prozess mehrmals wiederholt. Es fühlt sich gut an, nach Hause zu kommen, die Heizung aufzudrehen, mich in meinen Sessel zu pflanzen und den Blick über mein kuschliges Heim streifen zu lassen.

Ich habe wirklich Hoffnung, dass das erst mal so bleibt. Es gefällt mir so. Und ich weiß, wohin ich all die Sachen geräumt habe, die nun nicht mehr auf dem Boden liegen.

Einen Nachteil gibt es: Jetzt kann ich auch die Flecken im alten abgelatschten Teppich sehen. Und gleichzeitig fällt mir auf, wie schmierig meine Wände inzwischen aussehen. Ich glaube ich bin noch lange nicht fertig mit Ordnung schaffen.

Ich fürchte, jetzt wo ich aufgeräumter werde muss ich mich auch mal darum kümmern meine Umgebung ein wenig aufzumöbeln.

Vater & Sohn

Ihre Schatten sind verbeulte Halbkreise hinter ihren Rücken.

Ein kleiner Junge, geht eng neben seinem Vater her.

Der Vater hält ihn nicht an der Hand, denn der Junge hat keine Hand frei. Stolz trägt einen Karton auf seinen kurzen Armen. Drinnen steht ein kleiner Kuchen. Den hat Papa gebacken. Die bunten Schokolinsen, die man erst beim Anschneiden sehen wird waren aber seine Idee. Die Schokoladenglasur hat er ganz alleine aufgetragen. Obwohl er sich wirklich bemüht hat ist jede Menge der warmen Süßigkeit an seinen Fingern kleben geblieben. Das machte aber nichts, denn er hatte eine Kochschürze an. Außerdem durfte er seine Finger sauberschlecken, als er fertig war. Und die Schüssel durfte er auch auskratzen. Papa meinte ihm würde schlecht werden. Ihm ist aber kein bisschen schlecht gewesen. Papa weiß auch nicht alles.

Papa, warum sieht das Haus da eigentlich anders aus als die daneben? Der Junge zeigt mit dem Karton in eine ungefähre Richtung.

Der Vater schaut stirnrunzelnd zu der stuckverzierten Fassade hinüber. Ich weiß nicht genau, ich denke das ist älter als die anderen drum herum.

Die anderen wurden im Krieg zerstört oder?

Ja.

Hm. Der Junge gibt die Kiste an seinen Vater weiter. Weil, ich muss mir die Nase putzen.

Du Papa… Der Kleine wischt sich nochmal gründlich mit dem Ärmel über die Nase. Mama findet das immer eklig. Papa sagt da nie was. Nachdenklich runzelt der Junge die Stirn.

Hm?

Was ist eigentlich Krieg? Er streckt seine Arme wieder nach dem Kuchenpäckchen aus.

Was Krieg ist?

Hmjaaah.

Puuuh. Also Krieg, das ist wenn sich Erwachsene nicht mehr verstehen. Also wenn sie gar nicht mehr miteinander reden können.

Dann machen sie Krieg? Er denkt an die Bilder von den brennenden Häusern, die er im Fernsehen gesehen hat. Und an die Panzer.

Ja, manchmal gibt es dann Krieg.

Soldaten hat er auch gesehen. Mit Uniformen und Gewehren. Das sind dann aber immer viele Leute oder? Und die haben auch Raketen!

Meistens ist das ein ganzes Land.

Und die Menschen wollen sich dann alle gegenseitig umbringen?

Ich weiß nicht. Nein, meistens sagt ihnen jemand, dass sie das machen sollen.

Der Junge erinnert sich an ein Foto, dass er in der Zeitung gesehen hat. Da war eine Mutter mit einem Kind. Das Kind war viel jünger als er. Die beiden waren ganz staubig, bis auf zwei nasse Spuren im Gesicht der Mutter. Tränenspuren. Mama hatte gesagt, dass dort Krieg ist wo die Leute leben. Und die Menschen haben nichts zu Essen und keine Häuser, deswegen müssen sie weggehen.
Ich würde das nicht machen Papa.

Die beiden gehen schweigend ein Stück weiter. Eine Wolke schiebt sich vor die Sonne und die Schatten der beiden werden blass.

Papa?

Hm?

Krieg ist schlimm oder?

Krieg ist so ziemlich das allerschlimmste was es gibt!

Als sie um die Ecke biegen verbiegt sich auch ihr Schatten. Der Junge denkt daran, dass er eigentlich wirklich schon groß ist. Mama wird stolz sein, wenn sie den Kuchen sieht, die sie für ihren Geburtstag gebacken haben. Und im September kommt er in die Schule hat Papa ihm gesagt. Bis September ist es bestimmt nicht mehr lang.