Sonntagsfrage Nr. 9

Ich versuche wieder „hier“ zu sein. Ein guter Einstieg dafür, habe ich mir im Laufe der vergangenen Woche so gedacht, wäre es doch, die Sonntagsfrage* wieder aufzugreifen. Während es noch ein paar Fragen gibt, die ich für Tempert beantworten möchte, hat sie schon seit einiger Zeit nichts von mir gehört.

Mein Kopf ist voll mit etwa 1000 Fragen, die mir selbst zu beantworten ich derzeit nicht den Mut und die Energie habe. Kurz habe ich überlegt, eine dieser Fragen an dich auszulagern, liebe Tempest. Aber das ist nicht der Ton, mit dem ich hier wieder einsteigen möchte.

Deshalb heute etwas Leichtfüßiges:

Die Tage werden gaaanz langsam länger, das Eis auf dem Main ist geschmolzen und es gab bereits ein paar Momente, in denen mensch es in der Sonne ohne Jacke aushalten konnte. Kurz: Demnächst steht der Frühling vor der Tür. Ich freue mich wie ein kleines Kind auf die kommenden, warmen Jahreszeiten.

Worauf freust du dich im Frühling am meisten?

*Tempest und ich haben uns überlegt, uns eine Art regelmäßiges Stöckchen zuzuwerfen. Jeden Sonntag stellen wir uns gegenseitig eine Frage als Blogimpuls, deren Beantwortung aber auch gerne kurz und knackig ausfallen darf.

Mitleser:innen sind herzlich eingeladen die Sonntagsfrage(n) ebenfalls zu beantworten. Entweder in den Kommentaren oder auf ihren eigenen Blogs. Dann würden wir uns sehr über eine Verlinkung freuen.

Zerbrochene Krüge II.

Gerade fühlt sich jede vergangene Woche wie ein kleiner Sieg an. Und in jedem dieser Siege stecken noch kleinere Etappensiege.

  • Ein Referat gehalten
  • Ein wichtiges Telefonat geführt
  • Eine Prüfung sehr gut bestanden

Ich denke immer seltener ans aufgeben, wenn ich sehe, was ich kann. Doch dafür fühle ich mich getrieben.

Wenn ich bei M. bin, da ist das alles wie weggeblasen. Ich fühle mich sicher und geborgen und ein Stück aus der Realität gerückt hinein in ein kleines Reich, das nur für uns ist.

Und wenn ich die Tür von außen schließe bin ich wieder mein altes, unstabiles, löchriges Selbst.

Aber ich kann fühlen, wie es nicht mehr schwerer wird.

Kleine Siege, kurze Etappen, ab und zu Luft holen und seine Wärme, die mir sagt, dass alles gut ist, sein fieses kleines Lachen, das mir sagt, dass alles nur in meinem Kopf ist.

Ich strecke meine Rücken durch, und freue mich über die Blumen, die unerwartet dort am Wegesrand auftauchen, wo ich, nicht dicht, wie ich nun mal bin, mein Wasser vergossen habe.

Ich fühle, zu was ich alles in der Lage bin, wenn ich nur den Mut habe.

Und ich weiß, ich bin noch immer auf dem richtigen Weg.

Alles wird gut. Diesmal bestimmt…

Anonymität / Zerbrochene Krüge I.

Die relative Anonymität dieses Blogs erlaubt mir etwas, das ich anderswo nicht finde. Die Freiheit die Wahrheit zu sagen. Eine Wahrheit, die Teil von mir ist, mich jedoch nicht hinreichend beschreibt.

Die Wahrheit ist, dass ich mich auch heute noch fühle wie ein zerbrochenes Gefäß, das notdürftig geflickt ist,
Ein schöner Krug, mit hübschem Muster. Ein einzigartiges Stück mit praktischen Henkeln.

Aber nicht alle Scherben wurden dort eingefügt, wo sie heraus gebrochen sind. Es gibt Dellen und Beulen, wo keine sein sollten. Es gibt Brüche im Dekor. Es gibt Stellen an denen kleinere Splitter fehlen.

Ich bin ein geflickter Krug, der tropft, wenn man ihn bis zum Rand füllt.

Ich bin nicht dicht.

Ich habe nicht nur einen Sprung in der Schüssel.

Ich bin zersprungen und habe mich wieder zusammengesetzt, nicht nur einmal. Und jetzt habe ich schwache Stellen, die man nicht zu großem Druck aussetzen darf. Sonst platzt etwas ab.Ich bin nicht unversehrt, so wie es die meisten Menschen nicht sind. Ich zweifle und verzweifle immer und immer wieder am Leben und seinem Sinn.

Ich bin es leid diesen Kampf immer und immer wieder allein mit mir auszufechten.

Manchmal bin ich müde und möchte nicht mehr so weitermachen. So von Makeln verunstaltet, schwach und zerbrechlich.

Eine lange, viel zu lange Zeit nahm ich ein Antidepressivum, um durch den Tag zu kommen. Im Moment nehme ich es nicht.

Ich habe es nicht mehr gebraucht, als ich mir einen kleinen Traum erfüllt habe und mein Studium begonnen habe. Ich habe es noch weniger gebraucht, als ich meine Augen geöffnet habe und mir erlaubt habe M.  als jemanden zu sehen, der gut für mich ist.

Nun ist es Herbst. Und ich spüre, wie es zieht und kneift, wie es drückt und tropft an den alten, geflickten Stellen.

Ich bin müde, und manchmal will ich nicht mehr. Ich frage mich dann, ob die Angst jemals aufhört, ob die Tage wieder leichter werden, wann mein nächster wacher Tag kommt und ob ich es so lange schaffe.