Schotter/Mosaik

An manchen Tagen wiegen Worte schwer wie Steine und sie formen sich zu Gedankengeröll und sie rollen, kollern und knirschen durch die Zahnräder in deinem Gehirn.

An manchen Tagen schmecken Worte wie Dreck und alles was du sagst vertrocknet im Staub deiner Zunge und nichts was wahr ist schafft es über das Tor deiner Lippen.

An manchen Tagen schmeckt dein Atem nach Asche und du kannst nicht tief genug Luft holen um das Brennen in deiner Brust zu löschen.

An manchen Tagen lässt sich keiner der Kiesel einfügen in das Mosaik deines Lebens und die Asche in deinen Lungen eignet sich nicht zum Malen, nur zum Schwarzfärben.

Und du gehst mit einem mühevollen Lächeln durch den Tag, schmeckst nichts, fühlst nichts und hoffst.

Dann kommt die Nacht und am Morgen steigt die Sonne brennend und rot aus dem Staub und Tau wäscht die Asche fort.

Dann greifst du nach dem Schotter deiner Gedanken, besiehst dir die glänzenden bunten Scherben im Licht und fängst an sie zu einem Bild zu fügen.

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Hochspannung

Jetzt sitze ich hier, aufgereiht und straff gespannt. Perlen, aufgezogen auf eine Hochspannungsleitung.

Eigentlich ist alles gut.

Auf meinem Schoß liegt das Zeugnis von meinem Berufsschulabschluss. Ich habe einen 1er Schnitt. Dabei mein Ergebniss vom Englisch-Zertifikat mit 98 von 100 Punkten.

Alles ordnet sich so langsam, weil ich die Ordnung herbeiführe. Ich warte nicht mehr ab. Alles ist gut und ich sollte nun glücklich sein. ….

Mein Kopf summt und mein Rücken drückt sich in den Sitz der Straßenbahn wie lose Steine in einem Sack. Das Selbstbild in meinem Kopf mag so gar nicht zu meinem Spiegelbild in den dunklen Scheiben passen. Noch immer nicht.

Ich kämpfe und lass mich gehen. Ich strenge mich an und gleite. Ich rudere und treibe. Je nachdem, was das Leben von mir verlangt.

Inzwischen kann ich hunderte von Kilometern in meinen eigenen Schuhen gehen und fülle doch noch immer nicht meine eigenen Fußstapfen aus.

Ich sehe in den Spiegel und weiß: Das muss ich sein. Doch ich erkenne noch immer nicht mein eigenes Gesicht.

Ich bin wie Perlen, aufgereiht auf einer Hochspannungsleitung. Ich bin Eins und doch kein Ganzes. Alles, was ich bin summt und vibriert zum Zerreißen gespannt.

Mein Rücken drückt sich in den Sitz, wie ein Sack voller Steine.

Es passt nicht…passt einfach nichts.

Ich weiß, wer ich bin. Ich weiß, wer ich nicht bin. Und nichts passt zusammen.

Ich bin straff gespannt und summe, wie eine Hochspannungsleitung unter Strom. Nichts, aber auch gar nichts bringt mich zur Ruhe.

Ich will zerreißen und schreien, schreien, SCHREIEN.

Will meine Perlen lieber vor die Säue verstreuen, als sie hier unter Spannung zu verbrennen.

Doch ich kann nicht, kanns nicht. Kann nur kämpfen und gespannt in die Zukunft blicken. Und selbst in der Zukunft erblicke ich mein Gesicht und erkenne mich nicht. Mein inneres und mein äußeres Selbst gleichen sich nicht.

Ich will zerreißen und
schreien
SCHREIEN
SCHREIEN!!!

Vor hilfloser Wut,
vor Schmerz
vor Verzweiflung

Ich bin
Perlen
aufgereit
auf einer Hochspannungsleitung

Ich bin
Worte
hochgestapelt
bis sie keinen Sinn mehr ergeben

Ich bin alles,
nur nicht still
Ich bin jeder
nur weiß ich nicht wer

Und ich brenne
Und ich singe
bis ich verglühe

Ich kanns nicht,
kann nicht nachlassen
nie mehr

Müssen nur wollen (Part I.)

110 % dann klappt das schon.

Depressive Episode

„Bei den typischen … Episoden, leidet der (Betroffene) unter einer gedrückten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Die Fähigkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert. Ausgeprägte Müdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist gestört, der Appetit vermindert. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind fast immer beeinträchtigt. Sogar bei der leichten Form kommen Schuldgefühle oder Gedanken über eigene Wertlosigkeit vor. Die gedrückte Stimmung verändert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf Lebensumstände und kann von so genannten „somatischen“ Symptomen begleitet werden, wie Interessenverlust oder Verlust der Freude, Früherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust. …“¹

Wenn dem Fernsehen glaubt sollte man jeden Tag, bei allem was man tut nicht 100% geben sondern gleich 110%. Sonst erreicht man nichts. Gelernt hat man das bei „Popstars“ und „Germanys Next Topmodel“. Man will immer sein Bestes geben, hat aber nicht immer die Kraft, Geduld, Motivation dazu. Und das weiß man, auch wenn man versuchtes nicht zuzugeben. Und mit diesem Wissen lebt man.

Doch für jedes einzelne Mal, bei dem man sich dabei ertappt, dass man einfach nur „macht“ bekommt man einen kleinen Gewissensstich. Wenn man dann damit konfrontiert wird, dass andere da vielleicht hinsehen, wo man selbst gerne wegsieht wird es unangenehm und stressig.

Bei mir ist es meine Arbeit, oder meine Figur, oder meine ungebügelte Wäsche oder mein unaufgeräumtes WG-Zimmer.Die einzige Legimitation, die ich dafür im Moment finde ist das immer gleiche Mantra: „Die anderen sind auch nicht perfekt.“ Hilft…ist aber nur ne Notlösung. Schließlich ist es ne echte Unart sich selbst zu erhöhen, indem man andere erniedrigt.

Ich wünsche mir mehr als nur ein bisschen mehr Selbstbewusstsein. Ich wünschte, ich wüsste was ich eigentlich will…

„Wir sind Helden“ haben es eigentlich schon perfekt ausgedrückt:

Ich kann mit allen zehn Füßen in zwanzig Türen
und mit dem elften in der Nase
noch Ballette aufführen
Aber wenn ich könnte wie ich wollte würd ich gar nichts wollen
Ich weiß aber dass alle etwas wollen sollen

Wir können alles schaffen genau wie die toll
dressierten Affen wir müssen nur wollen

Muss ich immer alles müssen was ich kann
eine Hand in den Sternen
die andere am Hintern vom Vordermann?

Das ist das Land der begrenzten Unmöglichkeiten
Wir können Pferde ohne Beine rückwärts reiten
Wir können alles was zu eng ist mit dem Schlagbohrer weiten
können glücklich sein und trotzdem Konzerne leiten

¹Auszug aus der Definition nach ICD 10, Quelle: dimdi.de